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Molekülstruktur von Geschmacksstoffen entspricht Medikamenten

Bestimmte Geschmacksstoffe sind chemisch gleich aufgebaut wie Stimmungsstabilisatoren, die ärztliche Verschreibung erfordern. „Schokolade, Beeren, Tees und Nahrung mit Omega-3-Fettsäuren enthalten Moleküle, die positiv auf die Stimmung wirken und in ihrer Struktur dem Wirkstoff Valproinsäure ähneln“, berichtet Karina Martinez-Mayorga, Chemikerin an der Universidad Nacional Autónoma de México http://quimica.unam.mx , auf dem Treffen der American Chemical Society in Philadelphia.

Essen gegen den Blues

Dass Nahrung die Gemütslage verbessern kann, ist lange bekannt. Die Forscher wollten jedoch die genauen chemischen Bestandteile identifizieren, die Gefühlsschwankungen ausgleichen, die kognitive Gesundheit und geistige Wachsamkeit fördern oder den Gedächtnisverlust hinauszögern. Mittels Methoden der Chemoinformatik suchten sie in den Strukturen von über 1.700 Nahrungsbestandteilen nach Ähnlichkeiten zu Antidepressiva oder anderen Wirkstoffen mit dokumentierter antidepressiver Aktivität.

Deutliche Parallelen zeigten viele Aromen zur Valproinsäure. Dieser gängige Arzneistoff aus der Gruppe der Antiepileptika wird unter anderem für Manien und Psychosen eingesetzt, zudem für Depressionen, die nicht auf Therapien ansprechen, für die Stabilisierung von Stimmung und Impulsverhalten, in der Kopfschmerz- und Migräneprophylaxe sowie auch zur Verhinderung von Entzugserscheinungen bei Drogensüchtigen.

Schokolade als Medizin

Ob die Moleküle in den Geschmacksstoffen tatsächlich ähnlich wie das Medikament wirken, werden erst Folgestudien experimentell klären. „Vielleicht ist das Ergebnis eine Ernährungsempfehlung oder neue Nahrungsergänzungen für die Gemütslage“, sagt Martinez-Mayorga. Die Forscherin stellt jedoch klar, dass der Verzehr von stimmungsbessernder Nahrung verschreibungspflichtige Antidepressiva nicht ersetzt. Für Menschen, die keine Medizin brauchen, sei gesunder Lebensstil die beste Methode, um bei guter Laune zu bleiben.

Speziell bei der Schokolade kennt man eine lange Reihe derartiger Wirkungen. „Sensorische Faktoren des Zerschmelzens spielen eine Rolle, jedoch auch zahlreiche Inhaltsstoffe“, erklärt Klaus Dürrschmid, Lebensmittelsensorik-Experte an der Universität für Bodenkultur Wien http://www.dlwt.boku.ac.at , gegenüber pressetext. Morphinähnliche Substanzen spielen mit, neuroaktive Alkaloide wie Koffein sowie biogene Amine wie etwa Magnesium. Doch auch der Zucker wirkt: „Einer Hypothese zufolge initiiert er die Insulinproduktion, wodurch Glukose in die Zellen gedrückt wird und den Aminosäurenspiegel im Blutplasma hebt. Dabei entsteht im Gehirn ein Vorläufer des Glückshormons Serotonin“, so Dürrschmid.



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