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Deutsche Gesellschaft für Kardiologie und Deutsche Herzstiftung legen Positionspapier vor

„Soll ich einen Defi kaufen?“ Diese Frage stellen sich viele Hochrisikopatienten und ihre Angehörigen. Eine Antwort auf diese Frage war bisher schwer zu erhalten, weil es wenig Erfahrung mit Defibrillatoren gibt, die für Laien geeignet sind: Es handelt sich dabei um die Automatisierten Externen Defibrillatoren (AED). Jetzt haben Experten der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Zusammenarbeit mit der Deutschen Herzstiftung eine Stellungnahme erarbeitet, die den gegenwärtigen Stand der Kenntnisse wiedergibt und behandelnden Ärzten und Patienten die Entscheidung zum Einsatz von AED erleichtern soll.

„Unbestritten ist, dass sofortige Defibrillation die beste Möglichkeit ist, den plötzlichen Herztod, der für rund 100.000 Todesfälle jährlich verantwortlich ist, zu verhindern“, sagt Professor Hans-Joachim Trappe, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung und Mitglied der Expertengruppe. Der plötzliche Herztod wird nahezu immer durch lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen ausgelöst, die zum Zusammenbruch des Kreislaufs führen. Es sind krankhaft schnelle Herzschläge (Kammertachykardien), die das Herz mit einer Frequenz von 150 bis 300 Schlägen pro Minute schlagen lassen. Dieses Herzrasen geht oft innerhalb von Sekunden bis Minuten in eine völlig ungeordnete elektrische Erregung über, das Kammerflimmern. Das Herz zuckt nur noch und kann keine Leistung mehr erbringen. Der Kreislauf bricht zusammen, die Gehirnfunktion erlischt. Nur ein Elektroschock kann das Herz wieder in den richtigen Rhythmus bringen. Dieser Schock kann durch halbautomatische Elektroschockgeräte (AED) abgegeben werden. Die AED unterscheiden sich von den herkömmlichen im Rettungsdienst eingesetzten Defibrillatoren. Sie sind in der Handhabung einfach und bestehen aus dem Defibrillator und zwei Flächenelektroden, die auf dem Brustkorb aufgebracht werden müssen. Alle Schritte, die zu tun sind, werden über eine Sprachsteuerung durch Ansage mitgeteilt. „Die Defibrillatoren können von geschultem, nicht-medizinischem Personal, z. B. von Feuerwehrleuten, Sicherheitskräften, Begleitpersonen von Flugzeugen und Schiffen oder Aufsichtspersonal in öffentlichen Einrichtungen sicher und wirkungsvoll bedient werden“, so Trappe. Dabei sei das Zeitintervall zwischen dem Herz-Kreislauf-Stillstand und der Defibrillation entscheidend. Diese müsse in den ersten vier bis fünf Minuten erfolgen. Wichtig für den Erfolg sei auch, dass Wiederbelebungsmassnahmen, vor allem Druckmassage, durchgeführt würden. Voraussetzung ist eine gründliche Ausbildung in der Anwendung des AED und in der Technik der Wiederbelebung. Deshalb fordert die Expertengruppe eine Ausbildung von acht Stunden und alle sechs Monate Auffrischungskurse von zwei Stunden. Kurzkurse sind nach Ansicht der Experten als unzureichend abzulehnen.

Die Frage, ob öffentliche Plätze und Einrichtungen mit AED ausgestattet werden müssen, ist nach Ansicht der Herzspezialisten zurzeit noch nicht entschieden. Pilotprojekte wie zum Beispiel das Projekt im Frankfurter Flughafen, das von der Ruhr-Universität Bochum, der Deutschen Herzstiftung und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie durchgeführt wird, sollen neue Erkenntnisse bringen.

Es ist bekannt, dass sich die meisten Herz-Kreislauf-Stillstände zu Hause ereignen und dass eine Defibrillation durch geschulte Angehörige (Home-AED-Programm) sicher und schnell durchgeführt werden kann. Besonders für Risikopatienten nach Herzinfarkt, bei Patienten auf der Warteliste zur Herztransplantation oder bei Betroffenen mit angeborenen Herzrhythmuserkrankungen (ARVC/D, Brugada-Syndrom) erscheint ein Defibrillator zu Hause attraktiv. Jedoch ist die Wirksamkeit der Geräte für zu Hause bisher nicht bewiesen worden. Eine von Eisenberg (1989) vorgelegte Studie zur häusli-chen AED-Anwendung zeigte keinen Vorteil. Inzwischen haben sich allerdings die Geräte deutlich weiterentwickelt. Eine kleine Studie von Snyder (2002) zeigte, dass sechs von acht Patienten, die zu Hause mit einem AED defibrilliert wurden, überlebten. Obwohl Defibrillatoren zu Hause prinzipiell sinnvoll erscheinen, ist unklar, ob Angehörige im Notfall wirklich unverzüglich handeln würden. Deswegen fordert die Expertengruppe Studien, die klären können, ob ein Defibrillator zu Hause tatsächlich zu einer Verbesserung der Überlebenschance führt. Die Arbeitsgruppe stellt fest: „Zum jetzigen Zeitpunkt sind AED- Programme für zu Hause nicht zu empfehlen.“ Wenn sich Hochrisikopatienten und ihre Angehörigen trotzdem entschliessen, einen Defi anzuschaffen (Preis ca. 1.500 Euro), dann müssen sie darauf achten, dass die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg erfüllt wird: eine intensive Ausbildung in der Handhabung des AED. Sonst ist die Anschaffung sinnlos. Das vollständige Positionspapier zur „Automatisierten Externen Defibrillation“ ist abrufbar unter www.dgk.org/Leitlinien.

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