Lifestyle-Änderung gegen Herzinfarkt und Schlaganfall – Was wirkt am Besten?

„Die Aufgabe des Rauchens ist mit Abstand die wichtigste Einzelmassnahme bei Patienten mit Gefässerkrankungen“, fasst Dr. Ulrich Laufs, Homburg, zu der 71. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, zu der 5700 Besucher nach Mannheim gekommen sind, aktuelle Einsichten der modernen Medizin zusammen. So zeige, referierte Dr. Laufs, eine aktuelle Untersuchung an mehr als 34.000 britischen Ärzten, dass die mittlere Lebenserwartung von Männern, die zwischen 1900 und 1930 geboren wurden, bei Rauchern um dramatische zehn Jahre kürzer ist als bei Nicht-Rauchern. „Ein Rauchstopp im Alter von 60, 50, 40 oder 30 Jahren verlängerte das Leben um drei, sechs, neun beziehungsweise zehn Jahre“, berichtet Dr. Laufs. „Die weltweit bei rund 30.000 Menschen durchgeführte Interheart-Studie zeigt ein um 75 Prozent vermindertes relatives Risiko für den ersten Herzinfarkt bei Nicht-Rauchern im Vergleich zu Rauchern.“ Herzinfarkt und Schlaganfall, also „Verstopfungen“ von Blutgefässen infolge von „Gefässverkalkung“, sind heute die häufigsten Todesursachen. Patienten mit mehreren Risikofaktoren für Gefässerkrankungen, mit begleitender Koronarer Herzkrankheit, oder mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) weisen ausserdem ein hohes Risiko für einen Hirnschlag auf. Umgekehrt wird die Häufigkeit einer Herz-Erkrankung bei Patienten mit Schlaganfall mit bis zu 75 Prozent angegeben. „An erster Stelle vorbeugender Massnahmen“, so Dr. Laufs, „stehen hier Lebensstil-Änderungen.“

Weniger tierisches Fett, mehr Ballaststoffe, regelmässig Bewegung

Weil auch durch eine gezielte Ernährungsumstellung das Gefässrisiko deutlich gesenkt werden kann, wird eine fettarme Diät mit weniger als 300 Milligramm Cholesterin pro Tag empfohlen. Dr. Laufs: „Die Ernährung sollte ballaststoffreich (mehr als 20 Gramm pro Tag) mit viel Früchten, Gemüse und Kohlenhydraten sein, die gesättigten Fette sollten weniger als 10 Prozent der Gesamtkalorien ausmachen.“ Gesättigte Fette kommen zum Beispiel in Fleisch, Wurstwaren, Butter, Käse oder Sahne vor. Aus Post-Herzinfarkt-Studien liegen Hinweise darauf vor, dass eine mediterrane Ernährung Sterblichkeit und das Risiko eines neuerlichen Infarktes senken kann, sagt Dr. Laufs. Sowohl moderate (Spazierengehen) als auch intensive körperliche Aktivität stellen einen unabhängigen positiven Prognosefaktor zur Vermeidung kardiovaskulärer Ereignisse dar. Von den Fachgesellschaften wird ein regelmässiges aerobes Ausdauertraining – 3-7 mal pro Woche, jeweils 15-60 Minuten – bei 40 bis 60 Prozent der maximalen Leistungsfähigkeit unterhalb der individuellen Ischämieschwelle empfohlen.

Kein Wirksamkeitsbeleg für Präparate mit Vitaminen, Spurenelementen, Antioxidantien

Umstritten hingegen ist der Stellenwert von Präparaten mit Vitaminen, Spurenelementen oder Antioxidantien als vorbeugende Massnahme. Die Untersuchungsergebnisse im Zusammenhang mit einer Senkung des Homocystein-Spiegels im Blut mittels Vitamin B6, B12 und Folsäure seien höchst widersprüchlich, berichtet Dr. Laufs. „Grossstudien haben zweifelsfrei belegt, dass auch die Vitamine E, C oder Beta-Carotin keine Absenkung des Risikos für Herzerkrankungen bewirken. Im Rahmen der Arteriosklerose-Prävention kann daher eine Verordnung von Vitaminpräparaten nicht empfohlen werden. Für so genannte Antioxidantien oder ‚Spurenelemente‘ liegen ebenfalls keine Wirksamkeitsbelege vor.“

Wenig Alkohol schützt die Gefässe

Moderater Alkoholkonsum senkt die Sterblichkeit durch Verminderung des kardiovaskulären Risikos. Bei höherer Alkoholaufnahme ab 30 Gramm pro Tag steigt die Sterblichkeit durch Überwiegen der gesundheitsschädlichen Wirkungen gegenüber dem Gefässschutz. Daher wird eine Reduktion des Alkoholkonsums für Männer auf weniger als 30 Gramm pro Tag, und für Frauen auf weniger als 20 Gramm pro Tag empfohlen. 20 Gramm entsprechen etwa einem halben Liter Bier oder einem Viertelliter Wein, 30 Gramm dem gemäss etwa ¾ Liter Bier oder 3/8 Liter Wein.

Grippe-Impfung: Weithin unterschätzter Schutz vor Herz-Kreislauf- Problemen

Aktuelle Arbeiten zeigen aber eine hochsignifikante Reduktion der Sterblichkeit von Patienten mit symptomatischer KHK durch die Grippeschutzimpfung. Dr. Laufs: „Wenn sich diese Daten in weiteren Studien auch nur teilweise bestätigen, würde dies bedeuten, dass die Grippeschutzimpfung die mit Abstand kosteneffektivste medikamentöse Massnahme zur Reduktion der kardiovaskulären Sterblichkeit darstellt.“

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