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Rot oder Grün? Rund 180 Millionen Menschen weltweit können Farben nicht richtig erkennen und unterscheiden. Die Ursache dieser Farbfehlsichtigkeit ist ein genetischer Defekt, der hauptsächlich bei Männern auftritt. Abhilfe könnte eine Farbkorrekturbrille schaffen, die ein Göttinger Physiker entwickelt hat.

„Das Problem ist die individuelle Ausprägung der Farbfehlsichtigkeit“, erklärt Dr. Markus J. Gregor. Im Idealfall kann ein Mensch bis zu 10000 Farbunterschiede erkennen. Bei Menschen mit eingeschränktem Farbsehvermögen sind zwar alle Farbrezeptoren im Auge vorhanden, mindestens ein Rezeptor weicht jedoch in seiner Sensitivität ab. Dadurch ist das Farbunterscheidungsvermögen in bestimmten Farbbereichen geringer. „Ist der Rot-Rezeptor zu zehn Prozent eingeschränkt, wird eine rote Verkehrsampel schon als grün wahrgenommen“, nennt der 39-jährige Wissenschaftler ein Beispiel.

Um die Sehschwäche zu lindern, muss der Grad der Störung im gesamten sichtbaren Farbbereich exakt bestimmt werden. Ungenaue Messungen und nicht individuell angepasste Sehhilfen waren nach Ansicht des Physikers die Hauptursachen dafür, warum die bislang im Markt angebotenen Produkte den Betroffenen nicht den erhofften Erfolg brachten. Ein computergestützter Sehtest, der auf einem neuen, von Gregor entwickelten Farbmodell basiert, brachte im vergangenen Jahr den Durchbruch. Mit diesem Verfahren kann der Grad der Farbfehlsichtigkeit mit einer so hohen Präzision bestimmt werden, dass die Abweichung nur noch im Prozentbereich liegt.

Auf dieser Basis entwickelte Gregor eine Farbkorrektursehhilfe, die mit einem speziellen mathematischen Optimierungsverfahren berechnet und aus gängigen Filtermaterialien kombiniert wurde. Erste Untersuchungen mit fast 40 Probanden bestätigten Gregors Methode. Alle Testpersonen konnten die gängigen Farbverwechslungsbereiche (Violett- Blau, Grün- Gelb-Orange-Rot) erstmals richtig unterscheiden und die gängigen Farbtests, die beispielsweise für Polizisten, Piloten oder Busfahrer obligatorisch sind, problemlos bestehen. Lohn der Mühen: Ein zweiter Preis beim Innovationswettbewerb des Landkreises Göttingen im Dezember 2004.

Für Gregor und das von ihm gegründete Unternehmen Optics Ing.enium ist das erst der Anfang. „Die Nachfrage ist enorm“, betont er. Schon jetzt liegen mehrere hundert Bestellungen vor. Doch bis zur Serienreife der Farbkorrekturbrillen ist es noch ein weiter Weg. Auf rund zwei Millionen Euro schätzt das auf Life Sciences spezialisierte Beratungsunternehmen BioRegioN GmbH den Investitionsbedarf, der mit Hilfe von Investoren gedeckt werden soll. BioRegioN hat für Optics Ing.enium den Business Plan erstellt und unterstützt die junge Firma auch bei der Suche nach Investoren. Nach Ansicht von Dr. Thomas Wagner, Geschäftsführer von BioRegioN, „steckt in dem innovativen Verfahren grosses wirtschaftliches Potenzial.“ Wissenschaftliche Rückendeckung bekommt Gregor zudem von der Universitäts-Augenklinik Tübingen. In medizinischen Testreihen wird der weltweit renommierte Netzhautspezialist Prof. Dr. Eberhard Zrenner die Wirksamkeit des Verfahrens und die Funktionalität der Farbkorrekturbrillen untersuchen.

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