Experten: Coxibe nicht vorenthalten, sondern sichere Auswahl treffen

„Wir können der Bevölkerung diese Substanzgruppe nicht entziehen“, sagte bei einer Diskussion über die kardiovaskulären Risiken der so genannten COX-2-Hemmer beim Deutschen Kardiologenkongress in Mannheim Prof. Dr. Kai Brune, Direktor des Institutes für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Universität Erlangen. Nachdem die modernen schmerzhemmenden Medikamente nach dem Marktrückzug von Rofecoxib im vergangenen Herbst in ein negatives Licht geraten waren, gehe es jetzt darum, das Kind nicht mit dem Bad auszuschütten. „Wir müssen Risikogruppen herausfiltern, dann ist eine sichere Anwendung dieser Substanzen möglich.“

Chronische Schmerzkrankheiten sind notorisch untertherapiert. Die Wirkung der zur Verfügung stehenden Schmerzmittel ist begrenzt, der Behandlungsbedarf gross. COX-2-Hemmer haben das therapeutische Spektrum erweitert und gelten seit der Zulassung der ersten Medikamente dieser Gruppe 1999 als deutlich besser verträglich als herkömmliche Antirheumatika – insbesondere im Hinblick auf ein verringertes Risiko von gastrointestinalen Beschwerden.

Herz-Kreislauf-Probleme bei Risikogruppen

Das in einer Reihe von Langzeitstudien mittlerweile beobachtete erhöhte kardiovaskuläre Risiko der Coxibe lässt sich durch die spezifische Funktionsweise der Präparate erklären. „Durch die Hemmung des Enzyms COX-2 wird auch die Produktion Prostacyclin gehemmt, das unter anderem für die Vorbeugung von thrombotischen Veränderungen zuständig ist“, erklärt Prof. Brune.

Dass bei Hochrisiko-Patienten für kardiovaskuläre Erkrankungen Coxibe, insbesondere bei Langzeittherapie, nicht zu vertreten seien, waren sich die Experten einig. Damit dadurch allerdings die effektiven Schmerzmittel nicht auch Patienten vorenthalten würden, die von ihnen problemlos profitieren können, sei eine sorgfältige und verlässliche Patientenauswahl notwendig.

Prof. Brune gibt allerdings zu bedenken, dass dies nicht nur für Coxibe, sondern für alle NSAR gelte: Die vermeintlich sicheren älteren Schmerzmittel seien nie in dem Masse auf ihre Unbedenklichkeit geprüft worden wie jetzt die Coxibe. Man weiss also nicht, wie viele Herzinfarkte oder Schlaganfälle auf die langfristige Einnahme dieser nichtsteroidalen Antirheumatika zurückzuführen wäre.

Suche nach einfachen Tests

„Ein strategischer Einsatz von Coxiben wäre ideal“, gibt Prof. Brune die Richtung vor. Wichtig sei es daher für die Zukunft, so die Experten in Mannheim, Ärzten einfach zu handhabende Instrumente in die Hand zu geben, mit denen die Hochrisikopatienten verlässlich erkannt werden können.

Dafür kommen unterschiedliche Test-Strategien in Frage. Doz. Dr. Evangelos Giannitsis von der Universitätsklinik Heidelberg plädiert dafür, in der Risikostratifizierung ein spezielles Hormon als Marker zu verwenden. „NT-proBNP hat sich als Marker für Ventrikelfunktionsstörungen, aber auch Ischämie bedingte Auswirkungen bewährt“, so der Experte. „Er käme sowohl für die Auswahl von Risikopatienten, als auch für die Begleitung von Coxib-Therapien in Frage, auch um den Behandlungsverlauf zu kontrollieren.“ Einig waren die Experten, dass die Zweckmässigkeit dieses und anderer Testansätze zunächst in Studien geprüft werden sollte, um den Behandlern möglichst rasch effiziente Methoden der Risikostratifizierung in die Hand geben zu können.

Kontakt: Prof. Dr. Eckart Fleck, Pressesprecher der DGK (Berlin) Christiane Limberg, Pressereferentin der DGK (Düsseldorf); Tel.: 0211 / 600692 – 61; Roland Bettschart, B& K Medien- und Kommunikationsberatung; mobil: 0043 676 6356775

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