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Rauchen: zehnmal krebserregender als Luftverschmutzung (Foto: Flickr/Roventine)

Faktoren meist beeinflussbar, Umwelteinwirkung überschätzt

Mit dem Rauchen aufhören, Alkohol reduzieren, Übergewicht bekämpfen und Sonnenbrände vermeiden: Am besten schützt sich derjenige vor Krebs, der die bisherigen Empfehlungen zur Prävention berücksichtigt. Andere diskutierte Faktoren wie Chemikalien in Nahrung oder Produkten haben im Vergleich zum Lebensstil kaum Einfluss, berichten Forscher der University of New South Wales http://unsw.edu.au in der Zeitschrift „The Lancet Oncology“.

Verzerrte Darstellung

Studienleiter Bernard Stewart überprüfte die bisherige Studienlage zu Tumorrisiken. „Krebs ist in der westlichen Welt die meistgefürchtete Krankheit, und die meisten Menschen können dank der häufigen Thematisierung in den Medien gleich eine Vielzahl von Krebsursachen nennen. Viele Gefahren werden jedoch deutlich überproportional dargestellt“, so der australische Forscher.

So gibt es beispielsweise Belege dafür, dass Luftverschmutzung zu Krebs beiträgt, doch macht diese Gefährdung nur ein Zehntel von jener des Rauchens aus. Auch kommt man durch verunreinigte Nahrungsmitteln oder bestimmte Konsumprodukte sehr wohl in Kontakt mit kleinsten Mengen karzinogener Chemikalien. Doch: „In Industrieländern wurde bisher noch nicht bewiesen, dass diese Faktoren Krebs auslösen“, so Stewart.

Giftiger Rauch

„Die wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für Krebs sind allen voran das Rauchen, sowie Übergewicht, Alkohol, UV-Licht und ungünstige Ernährungsgewohnheiten“, sagt Rolf Marti, Leiter des wissenschaftlichen Sekretariats der Krebsliga Schweiz http://krebsliga.ch. Die wichtigsten, nicht beeinflussbaren Faktoren sind das Alter – zwei Drittel der Tumorerkrankungen treten erst nach dem 60. Lebensjahr auf – sowie genetische Prädispositionen. „Umweltfaktoren werden allgemein meist überschätzt“, bestätigt auch Marti.

Weniger Todesfälle

Für die Prävention in der EU stellen italienische und Schweizer Epidemiologen um Matteo Malvezzi in den „Annals of Oncology“ ein gutes Zeugnis aus: Das ursprüngliche Ziel von 2003, die Zahl der Krebs-Todesfälle bis 2015 um 15 Prozent zu senken, dürfte schon im laufenden Jahr erreicht werden. Rund 1,3 Mio. EU-Bürger werden 2012 an Krebs sterben, so die vorläufige Schätzung. Bei Männern sind das um zehn, bei Frauen um sieben Prozent weniger als 2007.

Die Forscher führen dies vor allem auf einen Rückgang des Rauchens der Männer, auf weitere Präventionsmaßnahmen sowie auf Früherkennung und bessere Tumorbehandlung zurück. Die sinkende Mortalität hat einen Schönheitsfehler: Die Zahl neuer Krebserkrankungen nimmt zu, und in einzelnen Arten wie etwa Bauchspeicheldrüsenkrebs steigen die Todesfälle. Letzteres gilt auch für Lungenkrebs-Tode bei Frauen, die seit 2007 um 13,44 Prozent zunahmen. Bei Brustkrebs sank die Quote um neun und für unter 50-Jährige sogar um 13 Prozent.

Links zu den Studienabstracts: http://bit.ly/zk0zmo und http://bit.ly/zCm6Ef

 



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