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Schlaganfallpatienten erholen sich besser, wenn sie in den Wochen direkt nach dem Hirninfarkt täglich ein bis zwei Stunden Musik hören. Das legt eine kleine Studie finnischer Forscher mit 54 Freiwilligen nahe, von denen einige neben ihrer Standardtherapie regelmässig Musik hörten oder Hörbüchern lauschten. In der Musikgruppe verbesserten sich das Gedächtnis, die Konzentrationsfähigkeit und auch die Stimmung der Probanden schneller und deutlicher als in den anderen Gruppen. Vor allem in der ersten Zeit nach einem Schlaganfall, in der das Gehirn sensibel auf Reize von aussen reagiert, könnte das regelmässige Musikhören demnach eine wertvolle zusätzliche Massnahme sein, die leicht in den Therapieplan integriert werden könne, berichten Teppo Särkämö von der Universität Helsinki und seine Kollegen.

Aufgenommen in die Studiengruppe wurden Patienten, die wegen eines akuten Schlaganfalls im Bereich der mittleren Hirnschlagader stationär behandelt wurden. Ein Drittel der Teilnehmer bildete die Kontrollgruppe und bekam die herkömmlichen Therapiemassnahmen. Ein weiteres Drittel wählte eine bevorzugte Musikrichtung aus und sollte während der folgenden Monate jeden Tag mindestens eine Stunde dieser Musik lauschen. Den restlichen Probanden wurden Hörbücher zur Verfügung gestellt, die sie ebenfalls mindestens eine Stunde täglich anhören sollten.

Drei Monate nach dem Schlaganfall hatte sich das Sprachgedächtnis in der Musikgruppe bereits um durchschnittlich 60 Prozent verbessert, während die Verbesserung in der Hörbuchgruppe lediglich 18 Prozent und in der Kontrollgruppe 29 Prozent betrug. Die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zu fokussieren, verbesserte sich sogar ausschliesslich in der Musikgruppe, schreiben die Forscher. Zudem traten bei den Musikhörern weniger häufig depressive Verstimmungen oder Verwirrungszustände auf.

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Wie genau dieser Effekt zustande kommt, können die Forscher noch nicht sagen. Musik aktiviert jedoch in beiden Hirnhälften ein weitverzweigtes Netzwerk an Arealen, die unter anderem für die Steuerung der Aufmerksamkeit, die Sprache, das Gedächtnis, die Kontrolle von Bewegungen und die Verarbeitung von Gefühlen zuständig sind, erklären sie. Diese Aktivität könnte direkt die Wiederherstellung der geschädigten Hirnregionen stimulieren oder aber ein generelles Reparaturprogramm starten, das dann diese Aufgabe übernimmt. Alternativ könnte auch das Belohnungszentrum eine Schlüsselrolle bei der Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten spielen.

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse solle man jedoch nicht vergessen, dass es sich hier um eine kleine Einzelstudie handele und die Resultate in anderen Untersuchungen noch bestätigt werden müssten, betont Särkämö. Das Musikhören solle auch nicht als Alternative, sondern als Ergänzung der herkömmlichen Therapie verstanden werden, die kostengünstig und mit wenig Aufwand angewendet werden kann.

Teppo Särkämö (Universität Helsinki) et al.: Brain, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1093/brain/awn013


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