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Internationale Studie unter Federführung der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg / Beide Verfahren mit vergleichbarem Risiko

Ausschälung der Halsschlagader oder Einbringen einer Gefässstütze (Stent) in das Gefäss? Vielen Schlaganfall-Patienten und ihren Ärzte fiel diese Entscheidung schwer, da wissenschaftliche Daten bislang nicht vorlagen. Jetzt hat die erste wissenschaftlich aussagekräftige Studie zum Vergleich beider Verfahren gezeigt: Ausschälung und Stent sind gleichermassen geeignet, einen weiteren Schlaganfall zu verhindern.

Jährlich erleiden etwa 20.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall, der durch Ablagerungen in den Halsschlagadern verursacht wird. Das Risiko dieser Patienten, einen weiteren Schlaganfall zu bekommen, ist besonders hoch.

Die Operation an der Halsschlagader (Endarteriektomie) gilt seit mehr als 20 Jahren als hervorragende Methode, um das Risiko für weitere Schlaganfälle zu reduzieren. Dabei schälen Gefässchirurgen durch einen Zugang am Hals die Fett- und Kalkablagerungen aus der Schlagader heraus und beseitigen so die Engstelle. Durch diesen Eingriff kann das Schlaganfallrisiko für die nächsten zwei Jahre um mehr als die Hälfte gesenkt werden.

Eine Alternative ist seit einigen Jahren das Einsetzen einer Gefässprothese: Der Stent wird durch einen Katheter in das Gefäss eingebracht und hält es offen. Der Blutfluss wird bei diesem Verfahren nicht unterbrochen, ein Schnitt am Hals ist nicht notwendig. Ob diese weniger invasive Technik Vorteile gegenüber der Operation bringt, ist bislang nicht wissenschaftlich belegt, obwohl diese Behandlungsform in Deutschland bereits sehr häufig angewendet und teilweise sogar bevorzugt wird. „Das Stenting wurde ohne Datenunterlage als überlegene Therapie verkauft“, bemängelt Professor Hacke, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg und Vorsitzender des SPACE-Steering-Komitees.

SPACE: Die weltweit grösste internationale Vergleichsstudie

In der SPACE-Studie (Stentgestützte Angioplastie der Carotis versus Endarteriektomie) untersuchten Neurologen, Gefässchirurgen und Neuroradiologen gemeinsam, ob Operation und Stentbehandlung in Bezug auf Behandlungsrisiko und Langzeitvorbeugung gleichwertig sind; die Studie wurde am 10. August 2006 in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht. Die Ergebnisse, die bereits auf dem Europäischen Schlaganfallkongress im Mai diesen Jahres in Brüssel vorgestellt worden waren, präsentierte Professor Dr. Werner Hacke auf einem Symposium in Heidelberg: „SPACE ist die erste grosse und wissenschaftlich einwandfreie Studie, die Ergebnisse liefert.“

SPACE startete 2001, sie wurde mit 900.000 Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert. Es beteiligten sich 33 gefässchirurgische Zentren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit insgesamt 1.200 Patienten.

Es zeigte sich, dass das Risiko, nach der Behandlung einen Schlaganfall zu erleiden oder zu sterben, bei Stent-Patienten geringfügig höher ist als bei operativ behandelten Patienten. „Die Komplikationsraten variieren aber nicht so stark, dass von einer Stentbehandlung generell abzuraten ist“, fasst Professor Dr. Hacke die Ergebnisse zusammen. „Jedenfalls kann von einer Überlegenheit der Stentbehandlung keine Rede sein. Welche Behandlung im Einzelfall vorgezogen wird, muss bei jedem Patienten individuell abgewogen werden.“

Qualität der Behandlung ist in den Zentren sehr unterschiedlich

Die Studie zeigte ausserdem: Die Zentren unterscheiden sich deutlich in der Qualität der Behandlung – wichtiger Faktor ist dabei die Zahl der dort vorgenommenen Eingriffe. Die Auswahl der Einrichtung entscheidet deshalb wesentlich über den Behandlungserfolg.

Die zweijährige Nachbeobachtungszeit innerhalb der SPACE-Studie wird 2008 abgeschlossen sein. Erst dann kann die Frage geklärt werden, ob beide Behandlungsformen auch langfristig gleichwertig bei der Vorbeugung weiterer Schlaganfälle sind.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Werner Hacke Tel.: 06221 / 56 8211 (Sekretariat) E-Mail: Werner.Hacke@med.uni-heidelberg.de


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