Radikalfänger helfen bei schwerer Unterernährung

Neue Hoffnungen auf Rettung unterernährter Kinder aufgrund von
klinischer Studie des Giessener Instituts für Ernähungswissenschaft in
Afrika – Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler empfehlen
antioxidativ wirksame Substanzen als Nahrungszusatz

In weiten Teilen Afrikas, aber auch in Asien stellt schwere
Unterernährung im Kindesalter noch immer ein grosses Problem dar.
Insbesondere sind natürlich Krisengebiete betroffen, in denen die
Versorgung mit Lebensmitteln nicht gewährleistet ist. Aber auch in
vielen ländlichen Regionen, die nicht von Naturkatastrophen oder
Kriegen geschüttelt werden, können Kinder oft nicht adäquat ernährt
werden.

Die Ergebnisse einer Studie unter Federführung von Prof. Dr. Katja
Becker, Institut für Ernährungswissenschaft am Fachbereich 09 –
Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement der Justus-
Liebig-Universität Giessen, die gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen
in Ghana, Heidelberg und Ulm durchgeführt wurde, geben Anlass zur
Hoffnung, dass solch schwer unterernährten Kindern, bei denen
herkömmlich Therapien oft nicht gegriffen haben, in Zukunft besser
geholfen werden kann. Im August wurde ein Artikel im Journal „Redox
Report“ zur Publikation angenommen.

Die schwere Unterernährung im Kindesalter lässt sich in drei
Hauptgruppen einteilen: den Marasmus, den Kwashiorkor und den
marasmischen Kwashiorkor. Der Kwashiorkor betrifft vor allem Kinder im
Alter von zwei bis drei Jahren und ist durch Wassereinlagerungen im
Körper, Funktionsstörungen der Leber und oft schwere
Begleitinfektionen gekennzeichnet. Die Therapie des Kwashiorkor ist
bislang bei weitem nicht optimiert, die Sterblichkeitsraten liegen bei
20 bis 40 Prozent, je nach Behandlungsmöglichkeiten vor Ort.

Im Rahmen ihrer Forschungsarbeiten stellten Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler um Prof. Dr. Katja Becker (JLU), in den letzten Jahren
fest, dass Kinder, die an Kwashiorkor leiden, stark eingeschränkte
Schutzmechanismen gegen giftige Stickstoff- und Sauerstoffverbindungen
haben. Dieser nitrosative und oxidative Stress wird im menschlichen
Körper permanent, beispielsweise im Rahmen der Zellatmung, produziert.
Durch Infektionen, aber auch durch UV-Licht, wird dieser Stress
erhöht. Liegt bei den betroffenen Kindern zusätzlich eine quantitative
und qualitative Mangelernährung vor, bei der nicht genügend
antioxidativ wirksame Vitamine, Spurenelemente und Aminosäuren
aufgenommen werden, so kann es zu dem schweren Krankheitsbild des
Kwashiorkor kommen.

Wie weltweite Studien der letzten Jahre zeigten, kann selbst die genau
dosierte Zufuhr von Flüssigkeit, Nähr- und Mineralstoffen in
Kombination mit antibiotischer Therapie die erkrankten Kinder oft
nicht retten. Aus diesem Grund hat Prof. Becker in Zusammenarbeit mit
ihrer Doktorandin (Dr. Anke Fechner), Kollegen vom St. Joseph’s
Hospital, Jirapa, Ghana (Dr. Matthias Funk), von den Universitäten
Heidelberg (Prof. Dr. R. Heiner Schirmer, PD Stephan Gromer) und Ulm
(Prof. Adolf Grünert, Prof. Hans-Jürgen Gross), sowie dem Institut für
Biometrie und Populationsgenetik der JLU (Dr. Jörn Pons-Kühnemann)
eine klinische Interventionsstudie in Afrika durchgeführt.

In dieser Studie wurden Kinder mit schwerem Kwashiorkor mit der
derzeit etablierten Therapie behandelt und über 20 Tage klinisch
überwacht. Als Nahrungszusatz erhielten sie verschiedene antioxidativ
wirksame Substanzen (entweder Glutathion oder Liponsäure oder
N-Acetylcystein). Sowohl Glutathion als auch Liponsäure senkten die
Sterblichkeit der Kinder im Vergleich zur Kontrollgruppe um mehr als
die Hälfte. Auch der klinische Zustand sowie die Blutwerte der Kinder
verbesserten sich auffällig.

Die Wissenschaftler schlagen daher eine so genannte multizentrische
Studie vor, auf deren Basis die Gabe von Glutathion beziehungsweise
Liponsäure in die internationalen Therapieempfehlungen übernommen
werden kann.

Weitere Infos finden Sie hier …

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