Gesundheit, Wellness, Medizin

Mögliche Privatisierung des Uniklinikums Mainz – Röhn Klinikum AG signalisiert bereits ihr Interesse

Sollte die politische Diskussion um die Zukunft des Universitätsklinikums auf eine Privatisierung an der Langenbeckstrasse hinaus laufen, dann zählt neben Asklepios mit Sicherheit auch die Rhön Klinikum AG mit Sitz in Bad Neustadt/Saale zu den ganz grossen Favoriten.

Während das öffentliche Gesundheitswesen am Rande des finanziellen Kollaps vegetiert, glänzt – wie auch die privaten Mitbewerber – die Röhn Klinikum AG mit exzellenten Zahlen. 14620 Betten in 45 Kliniken an 34 Standorten in acht Bundesländern und mehr als 30000 Mitarbeiter, die in 2005 Umsatzerlöse in Höhe von rund 1,42 Milliarden Euro erwirtschaftet haben. Der Konzerngewinn wird mit rund 88 Millionen Euro ausgewiesen. Demgegenüber hat allein die Universitätsklinik in Mainz in 2005 einen Verlust von rund 20 Millionen Euro eingefahren. Dr. Erik Hamann, Prokurist bei der Rhön Klinikum AG, kommt zu dem Schluss: „Die hochgelobte staatliche Medizin ist am Ende. Sie führt letztlich zu Rationierung und einer schlechten Behandlung von Patienten.“

Hintergrund

An Mainz habe die Rhön Klinikum AG „grundsätzlich grosses Interesse“, so Hamann auf Anfrage der AZ. Allerdings sei es auch eine Frage der Konditionen. „Wir können auch sagen: Da behaltet´s halt!“ Im Unternehmen sorge es immer für ein grosses Ärgernis, so Hamann weiter, wie die Arbeit privater Betreiber vollkommen jenseits der Fakten schlecht geredet werde. Auch ein staatliches Universitätsklinikum könne auf Dauer nicht ständig Verlust machen, weil das Unternehmen so nicht stabil sei. Natürlich gebe es Änderungen in einem Klinikum, wenn ein Privater einsteige. Aber niemand solle glauben, dass die medizinische Qualität und Versorgung betroffen seien. „So einen Quatsch würden wir niemals mitmachen. Ausserdem würde das schnell raus kommen. Natürlich wollen wir auch Geld verdienen. Aber warum sollte ein Privater kein Interesse haben an universitärer Spitzenmedizin?“, fragt Hamann. Das Universitätsklinikum Giessen, wo Rhön Klinikum AG den Zuschlag bei der Übernahme erhielt, sei das beste Beispiel. Über 600 Millionen Euro werde die AG investieren, die ein „Medizin-Labyrinth“ von über 100 Gebäuden vorgefunden habe. Eine Sanierung bedeute deshalb, Personal effizient einzusetzen und kurze Wege zu etablieren. Keinesfalls aber dürfte der medizinische Standard abgesenkt werden, im Gegenteil gehe es darum, die Leistungsfähigkeit zu stärken.

Forschung unabhhängig Das Land Hessen habe die entsprechenden Vorgaben gemacht und so sei beispielsweise die Lehre und Forschung vollkommen unabhängig vom klinischen Betrieb. „Dieses Geld geht nicht durch unsere Hände“, so Hamann. Rhön Klinkum AG sei ausdrücklich auch kein „Rosinenpicker“, also ein Privatisierungsunternehmen, das sich nur die lukrativen Kliniken aussuche. In Giessen sei es um ein Gesamtpaket gegangen und eine solche Lösung sei auch für Mainz denkbar.

Allerdings: „Die rheinland-pfälzische Landesregierung muss derzeit wohl erst selbst noch herausfinden, was sie will“, sagt Hamann. Natürlich spreche in der Branche „jeder mit jedem“ über eine mögliche Privatisierung in Mainz. Von der Rhön Klinikum AG gebe es keinen offiziellen Vorstoss in Richtung Landesregierung. „Die Diskussion hat eine grosse Bandbreite. Alles ist denkbar von einer Vollprivatisierung bis hin zu gar keiner Privatisierung mit unendlich vielen Grauschattierungen dazwischen“, interpretiert Hamann den Stand der Diskussion.

Es gebe auch keinerlei „Geheimgespräche“ zwischen der Rhön Klinikum AG und der Landesregierung, versichert Hamann. „Derzeit gibt es weder Kontakte noch konkrete Pläne. Wir würden uns auch gar keinen Gefallen tun, jetzt mit der Politik eine Art Ablaufplan zu erstellen, weil wir den möglichen Vertragsverhandlungen nicht vorgreifen und später auch nicht als befangen gelten wollen“, so Hamann. Unabhängig von der aktuellen Diskussion gebe es aber sehr wohl Begegnungen zwischen Ministerpräsident Kurt Beck und dem Vorstandsvorsitzenden der Rhön Klinikum AG, Wolfgang Pföhler, vor allem wegen dessen früherer Funktion als Vorsitzender des Raumordnungsverbandes Rhein-Neckar. Es wäre „nicht professionell“, sagt Hamann, solche Begegnungen ausnutzen zu wollen, um eigene unternehmerische Interessen voran zu bringen.

Auch Helios will Unterdessen hat auch die Helios Klinik GmbH mit bundesweit rund 1000 Betten und 140 Umsatzmillionen den Hut in den Ring geworfen. „Wir sind an Mainz interessiert; konkrete Verhandlungen gibt es aber nicht“, sagt Pressesprecherin Constanze von der Schulenburg auf AZ-Anfrage. Auch Helios favorisiert im Fall der Fälle eine Übernahme „der kompletten Einrichtung“. Mainz sei unter dem Aspekt universitärer Medizin zweifellos ein hervorragendes Klinikum. Zwar sei derzeit hinsichtlich von Privatisierungsgesprächen „nichts definitiv“, so von der Schulenburg, „aber so etwas kann sich erfahrungsgemäss schnell ändern.“

Quelle: Main-Rheiner Regionalnachrichten
vom 12.02.2007/Erich Michael Lang


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