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Unerwünschte Nebenwirkungen von Medikamenten verursachen möglicherweise mehr als drei Prozent aller Todesfälle. Das ist das Ergebnis einer schwedischen Studie. Die Pharmakologin Anna Jönnsson von der Universität in Linköping und ihre Kollegen hatten für ihre Arbeit mehr als 1.500 Todesfälle in Schweden untersucht und waren dabei auf eine überraschend grosse Zahl tödlicher Arzneimittel-Nebenwirkungen gestossen. Fachleute wie der britische Mediziner Simon Thomas verweisen allerdings auf die vielen Fälle, in denen Medikamente das Leben von Patienten verlängern.

Für Patienten in Krankenhäusern ist die Gefährlichkeit von Nebenwirkungen seit längerem belegt. Rund fünf Prozent aller Todesfälle in Hospitälern gehen auf unerwünschte Wirkungen von Medikamenten zurück, schätzen die schwedischen Forscher. Diese Zahlen decken sich auch mit Studien an amerikanischen Kliniken. Der Anteil tödlicher Nebenwirkungen an Sterbefällen insgesamt ist dagegen nur schwer zu ermitteln. Der Grund dafür ist lauf Jönsson die mangelnde Berücksichtigung von Nebenwirkungen beim Ausstellen von Totenscheinen.

Um den Anteil von Nebenwirkungen mit Todesfolge in den Sterbestatistiken genauer aufzuschlüsseln, öffneten Jönsson und ihre Kollegen die Akten von 1.574 Verstorbenen noch einmal. Apotheker, Pharmakologen und ein Rechtsmediziner überprüften die Daten der Verstorbenen, die aus verschiedenen schwedischen Verwaltungsbezirken stammten. Bei 49 Toten stellten die Forscher einen Zusammenhang mit Medikamentenwirkungen her. Die mit Abstand häufigste tödliche Nebenwirkung waren dabei Blutungen, die nach der Einnahme blutverdünnender Medikamente auftraten. In ihrer Studie fordern die Wissenschaftler daher eine bessere Aufklärung von Ärzten und Patienten über die Gefahren möglicher Nebenwirkungen. Zudem wollen sie die Akten der Toten noch einmal darauf untersuchen, ob sich vermeidbare Todesfälle darunter finden.

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Der Mediziner Simon Thomas von der Universität Newcastle kritisiert die Studie allerdings: Die schwedischen Forscher machten demnach keine Aussage über die Todesfälle, die durch die Einnahme von Medikamenten verhindert würden. Gerade blutverdünnende Medikamente erwiesen sich für viele Patienten als lebensverlängernd, so Thomas. „Hier wird nur eine Seite der Medaille betrachtet“, kritisiert der Mediziner. Zudem sei noch unklar, ob die Daten aus Schweden auf andere Länder übertragbar seien, führt er weiter aus.


Nature, Onlinedienst, DOI:10.1038/news.2008.676

Originalarbeit der Forscher: Anna Jönnson (Universität Linköping) et al.: British Journal of Clinical Pharmacology, Band 65, S. 573

ddp/wissenschaft.de “ Markus Zens


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