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Biopsychosoziale Behandlung bei allen Schweregraden wirksam / Pionierstudie der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg

Von einer vielseitigen Therapie ihrer Beschwerden profitieren auch „Rückenpatienten“, die an besonders langwierigen und schweren chronischen Schmerzen leiden. Das hat eine in dieser Form erstmals vorgenommene Studie der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg ergeben, deren Ergebnisse in der internationalen Fachzeitschrift „Spine“ veröffentlicht worden sind. Bisher galt der multidisziplinäre Ansatz nur für Patienten mit relativ leichten chronischen Rückenschmerzen als Erfolg versprechend. Er umfasst neben übenden Verfahren (Krankengymnastik, Rückentraining, Arbeitstherapie) auch Gruppen- und Einzelpsychotherapie; Medikamente werden, soweit wie möglich, reduziert.

Der multidisziplinäre Ansatz der Rückenschmerzbehandlung hat sich im Laufe des letzten Jahrzehnts zur bevorzugten Therapieform für relativ leichte chronische Rückenschmerzen entwickelt. Er unterzieht die Patienten einem dreiwöchigen Ganztagesprogramm (über jeweils acht Stunden an fünf Wochentagen), das sie befähigen soll, durch biopsychosoziale Unterstützung aktiv, positiv und bewusst mit ihrer Krankheit umzugehen, die durch Vermeidung und zunehmende Hilflosigkeit zu fortschreitenden körperlichen, psychischen und sozialen Funktionsverlusten führt.

Zwei Drittel der Patienten waren wieder arbeitsfähig

An der Studie unter Leitung von Professor Dr. Marcus Schiltenwolf, dem Leiter der Sektion Schmerztherapie an der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg, nahmen insgesamt 387 Patienten teil.
Diese litten schon länger als drei Monate an chronischen Rückenschmerzen, waren deshalb schon mindestens sechs Wochen lang krank geschrieben und hatten auf Standardtherapien nicht angesprochen.
Patienten, bei denen die Ursache der Rückenschmerzen eindeutig diagnostizierbar war, sei es wegen eines Tumors, einer Fraktur oder einer bakteriellen Entzündung, waren von der Teilnahme an der Studie ausgeschlossen.

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Die Patienten wurden bei der Eingangsuntersuchung in drei Gruppen unterschiedlicher Schweregrade unterteilt, wobei als Hauptkriterien die Schmerzintensität, die bisherige Dauer der Schmerzkrankheit sowie das Ausmass der dadurch verursachten Beeinträchtigung galten. Nach dreiwöchiger multidisziplinärer Therapie wurden die Studienteilnehmer ohne weitere Behandlung aus der Klinik entlassen. Erst sechs Monate nach Beginn der Therapie wurde deren Erfolg mit fünf standardisierten Schmerzskalen und Fragebögen abschliessend gemessen. Dabei zeigte sich in allen drei Patientengruppen ein signifikanter Nutzen der multidisziplinären Therapie hinsichtlich der fünf Erfolgskriterien Arbeitsfähigkeit, Schmerzintensität, Zufriedenheit mit der Behandlung, gesundheitsbezogene Lebensqualität und Verbesserung der Rückenfunktion.

„Insgesamt waren sechs Monate nach Behandlungsbeginn 67,4 Prozent der Patienten wieder arbeitsfähig “ und zwar unabhängig vom ursprünglichen Schweregrad ihrer Schmerzen“, unterstreicht Professor Schiltenwolf die Bedeutung dieses Ergebnisses. „Die multidisziplinäre Therapie zahlt sich deshalb, wenngleich sie kostspielig ist, auch bei Patienten mit besonders schweren chronischen Rückenschmerzen aus.“

Kontakt:

Professor Dr. Marcus Schiltenwolf,
Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg
Leiter Sektion Schmerztherapie
Schlierbacher Landstrasse 200
69118 Heidelberg, Germany
Tel.: +49 6221 / 96-63 89, Fax: +49 6221 / 96-92 88 E-Mail: marcus.schiltenwolf@ok.uni-heidelberg.de


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