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Die Lese-Rechtschreibschwäche namens Legasthenie, von der fast fünf Prozent der deutschen Schulkinder betroffen sind, hat eindeutig genetische Ursachen. Im Gehirn eines Legasthenikers lassen sich neurobiologische Veränderungen finden, wobei die Zusammenarbeit von verschiedenen Hirnregionen gestört ist. Dies wurde bei einer Tagung berichtet, die kürzlich an der Universität Würzburg stattfand.
Bezüglich der Ursachen der Legasthenie ging es auf der Tagung unter anderem um die Lautbewusstheit. Darunter versteht man die Fähigkeit, einzelne Laute getrennt wahrzunehmen oder miteinander zu verbinden. Untersuchungsergebnisse aus England, Deutschland, Schweden, Dänemark und anderen Ländern zeigen, dass diese Fähigkeit eine Grundvoraussetzung für den Erwerb der Lese- und Rechtschreibfähigkeit ist. Unterstützt werden diese Befunde durch die Hirnforschung: Wenn sich Legastheniker mit Aufgaben zur Lautbewusstheit beschäftigen, dann ist ihre linke Gehirnhälfte im Bereich von sprachverarbeitenden Regionen geringer aktiviert.
Dass bei legasthenen Jugendlichen bereits die Sprachwahrnehmung anders erfolgt und das Gehirn bei der Sprachverarbeitung weniger stark aktiviert ist, zeigt die Bedeutung der Sprachwahrnehmung für diese Lese-Rechtschreibschwäche auf.
Deutlich langsamer und qualitativ unterschiedlich verarbeitet das Gehirn der Legastheniker einzelne Wörter. Dem liegen möglicherweise visuelle Verarbeitungsstörungen zugrunde, die mit dem System grosszelliger Hirnareale in Verbindung gebracht werden. Wie Gerd Schulte-Körne aus Marburg erstmals zeigte, treten bei der visuellen Wahrnehmung Störungen der rechten Gehirnhälfte auf.
Einen Überblick über die aktuellen genetischen Befunde gab der Würzburger Humangenetiker Tiemo Grimm. Zwei Genregionen, eine auf Chromosom 15 und eine auf Chromosom 6, scheinen eine wesentliche Bedeutung für die Lese-Rechtschreibstörung sowie für die Lautbewusstheit und das orthografische Wissen zu besitzen.
Ein weiteres Thema war die Frühförderung von Legasthenikern. So stellte der Psychologe Wolfgang Schneider aus Würzburg dar, dass der Erwerb von Lese- und Rechtschreibfähigkeiten bereits in den ersten Grundschuljahren sehr positiv beeinflusst werden kann, und zwar durch Singspiele sowie durch eine Förderung der Lautunterscheidung und der Sprachrhythmik.
Welche Bedeutung lautanalytische und orthografische Fähigkeiten für die Entwicklung der Lese- und Rechtschreibfähigkeit haben, zeigt auch die so genannte Wiener Längsschnittstudie. Ausserdem lässt sich in den ersten Grundschulklassen ein Einfluss der Lehrmethoden auf den Verlauf der Legasthenie feststellen.
Hinsichtlich der Förderung von Legasthenikern wurden Übersichten über das Förderangebot und vor allem über die bewährten methodischen Ansätze gegeben. Empfohlen wurden sowohl der Einsatz von Lautgebärden als auch ein regelgeleitetes Eltern-Trainingsprogramm. Auch Computerprogramme zur Förderung der Lese- und Rechtschreibfähigkeit wurden vorgestellt. Zudem fanden 20 Praxisseminare statt, bei denen es um Fördermöglichkeiten für zu Hause und in der Schule, um die Feststellung der Lese-Rechtschreibschwäche und um Fördereinrichtungen ging.
Die vorgetragenen Forschungsergebnisse sollten dazu beitragen, die Legasthenie besser zu verstehen und ihre Diagnostik und Therapie zu verbessern. Dies erscheint umso nötiger, als sich den Veranstaltern zufolge die Situation der Legastheniker in den vergangenen Jahren kaum verbessert hat: Nach wie vor werden Kinder mit einer Legasthenie so behandelt, als ob sie dumm und faul wären.

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