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Studie belegt Überlegenheit umstrittener Behandlungsmethode

Ein bislang umstrittenes Behandlungsverfahren, die Hemikraniektomie, verdreifacht die Überlebenschancen von Patienten nach einem schweren Schlaganfall. Das ist das Ergebnis einer Analyse von drei klinischen Studien durch ein internationales Forscherteam, die in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Lancet Neurology“ veröffentlicht worden ist. „Erstmals ist wissenschaftlich belegt, dass die Hemikranektomie Leben retten und vor Behinderungen schützen kann“, sagt Co-Autor Werner Hacke von der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Neurologische-Klinik.90.0.html gegenüber pressetext. Bei der Hemikraniektomie wird die Schädeldecke der Patienten halbseitig entfernt.

In der Wissenschaft war dieses Verfahren bislang sehr umstritten: So verwiesen Kritiker auf mögliche, bleibende Behinderungen “ vor allem dann, wenn die dominante Gehirnhälfte betroffen ist, in der das Sprechvermögen lokalisiert ist. „Man nahm an, dass die Patienten zwar überleben, befürchtete aber, dass ihre Lebensqualität dann aber sehr gering sei“, sagt Hacke. Die Wissenschaftler initiierten deshalb mehrere Studien, welche die Hemikraniektomie vorausschauend mit einer maximalen intensivmedizinischen Behandlung verglichen. Ihr Ergebnis: Die Analyse, die 95 Patienten nach einem schweren Schlaganfall umfasst, zeigt einen signifikanten Effekt der Überlebensrate zugunsten der Hemikraniektomie (78 Prozent) gegenüber 29 Prozent nach intensivmedizinischer Behandlung.
Vier Prozent der Patienten sind nach der Hemikraniektomie bettlägerig und dauerhaft pflegebedürftig, in der intensivmedizinischen Behandlungsgruppe waren es fünf Prozent. Ein Jahr nach der Operation sind 43 Prozent der Patienten ohne Hilfe gehfähig und entweder nur teilweise auf fremde Hilde angewiesen oder ganz selbstständig. Zum Vergleich: Nach maximaler intensivmedizinischer Behandlung waren es etwa ein Fünftel.

„Diese Ergebnisse sind ein Meilenstein in der Behandlung des Schlaganfalls“, sagt Hacke. Sie lieferten Argumente, die Behandlung auch in anderen Kliniken einzusetzen. In der Heidelberger Klinik wird die Hemikraniektomie bereits seit zehn Jahren durchgeführt. Patienten mit schweren Schlaganfällen haben grundsätzlich eine sehr schlechte Prognose. Das abgestorbene Hirngewebe und seine Umgebung schwellen durch die Einlagerung von Wasser an und der Hirndruck steigt massiv. Wird hingegen ein Teil der Schädeldecke entfernt, erhält das geschwollene Hirngewebe in der kritischen Phase mehr Raum. Nach Rückgang der Hirnschwellung wird der Knochen wieder eingesetzt. Die Operation ist einfach und komplikationslos durchführbar.



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