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Wissenschaftler haben eine neue Gruppe von Antidepressiva entdeckt, die zumindest im Tierversuch vier- bis siebenmal schneller wirken als die bisher verwendeten Medikamente: Ihr aufmunternder Effekt stellte sich bei Ratten bereits nach drei Tagen ein, während Antidepressiva aus der Klasse der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs), der gängigsten Wirkstoffgruppe, erst nach etwa zwei Wochen zu wirken begannen. Ob es auch beim Menschen einen derartig schnellen Erfolg gibt, müsse sich allerdings erst noch zeigen, berichten die Forscher um den Kanadier Guillaume Lucas. Zudem gibt der Yale-Pharmakologe Ronald Duman in einem Kommentar zu bedenken, dass auch die Gefahr ernsthafter Nebenwirkungen in Betracht gezogen werden müsse.

Bei Depressionen ist die Menge des Botenstoffs Serotonin im Gehirn vermindert. Als Therapie werden daher Wirkstoffe eingesetzt, die den Serotoninspiegel auf unterschiedliche Weise erhöhen. So verhindern SSRIs beispielsweise, dass der Botenstoff von den Gehirnzellen aufgenommen wird. Das verursacht wiederum verschiedene Umbaumassnahmen und Anpassungen im Gehirn, die mit der Zeit zu einer Abnahme der typischen Depressionssymptome wie Antriebslosigkeit, gedrückte Stimmung und die Unfähigkeit, sich über irgendetwas zu freuen, führen. Allerdings dauert diese Anpassung eine gewisse Zeit, so dass die Wirkung einer SSRI-Therapie erst nach drei bis sechs Wochen einsetzt. Gerade in schweren Fällen mit Suizidneigung kann diese Verzögerung jedoch höchst problematisch sein, erklärt Studienleiter Lucas.

Die neuen Wirkstoffe funktionieren anders. Sie gehören zu den sogenannten Serotoninrezeptor-Agonisten und beeinflussen nicht den Serotoninspiegel, sondern imitieren die Wirkung des Botenstoffs im Gehirn: Sie aktivieren direkt eine der Erkennungsstellen für Serotonin an den Gehirnzellen, einen Rezeptor namens 5-HT4. Dadurch zeigt sich der Effekt deutlich schneller, konnten die Forscher bei ihren Ratten zeigen. Bereits nach drei Tagen waren die für eine Behandlung mit Antidepressiva typischen Veränderungen im Gehirn nachweisbar, und bereits nach einer Woche waren die Tiere praktisch symptomfrei. Die Vergleichsgruppe, die mit SSRIs behandelt wurde, zeigte diese Verbesserungen hingegen erst nach zwei beziehungsweise drei Wochen.

Die Forscher halten ihren Ansatz für sehr vielversprechend und wollen so schnell wie möglich mit klinischen Studien beginnen. Auch Kommentator Duman glaubt an das Potenzial der Wirkstoffgruppe, warnt allerdings vor Gefahren: Da 5-HT4 nicht nur im Gehirn, sondern auch am Herzen und im Magen-Darm-Trakt vorkomme, sei es möglich, dass die Agonisten dort unerwünschte Effekte hervorrufen. So habe etwa bereits ein Medikament gegen das Reizdarmsyndrom, das auf eine ähnliche Weise wirkte, vom Markt genommen werden müssen, weil es die Herztätigkeit beeinträchtigte.

Guillaume Lucas (McGill-Universität in Montréal) et al.: Neuron, Bd. 55, S. 712


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