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Grüne Mineralerde hat antibakterielle Wirkung

Die häufig für Schlammpackungen bei Wellnessanwendungen eingesetzte grüne Mineralerde wirkt auch antibakteriell. Das konnten amerikanische Wissenschaftler jetzt in Laborversuchen belegen. Durch das Auftragen einer Lehmpackung dieser Tonerde auf die Haut heilten beispielsweise Fleischwunden besser, die von dem Bakterium Mycobacterium ulcerans verursacht werden. Auch gegen andere Bakterienarten erwies sich die Mineralerde als wirksam. Tonerden werden schon seit Jahrhunderten in der alternativen Medizin zur Behandlung von Hautkrankheiten eingesetzt, bislang fehlte aber ein wissenschaftlicher Beleg für ihre Wirksamkeit.
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Mineralerden entstehen unter anderem durch die Verwitterung von Silikaten. Das sind Mineralien aus Silizium, Sauerstoff und verschiedenen Metallen, die einen Grossteil der Gesteine in der Erdkruste bilden. Als französische grüne Mineralerden wird eine Gruppe von Tonmineralen bezeichnet, die lange Zeit nur in Südfrankreich im grossen Massstab abgebaut wurde. Wissenschaftler bezeichnen diese Gruppe auch als Illite. Vor fünf Jahren berichtete eine französische Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation von der heilenden Wirkung einer grünen Mineralerde namens Agricur bei der Behandlung von Buruli Ulkus, einer Krankheit, die hauptsächlich in tropischen Ländern wie Westafrika auftritt und zu grossflächigen schmerzhaften Hautgeschwüren führt. Diese können meist nur durch eine Operation oder sogar Amputation des betroffen Gliedes entfernt werden. Der Auslöser der Krankheit, das Bakterium Mycobacterium ulcerans, ist eng verwandt mit dem Erreger der Lepra.

Die Forscher untersuchten nun diese Tonerde zusammen mit einer weiteren aus der Gruppe der Illite im Labor auf ihre chemische und mineralogische Zusammensetzung sowie ihre Wirkung auf das Wachstum von krankmachenden Bakterien, unter anderem auf M. ulcerans. Während die Agricur-Mineralerde die Bakterienkulturen innerhalb von 24 Stunden fast komplett abtötete, förderte die zweite getestete Tonerde sogar das Wachstum der Bakterien. Die beiden Substanzen haben eine ähnliche mineralogische Zusammensetzung, unterscheiden sich jedoch in der Komposition der chemischen Spurenelemente. Die Wissenschaftler vermuten deshalb einen chemischen Mechanismus hinter der antibakteriellen Wirkung.

Diese Vermutung wird durch weitere Versuchsergebnisse unterstützt. Durch einen Austausch von Kationen, positiv geladenden Teilchen, verliert Agricur seine antibakterielle Wirkung. Das gleiche passiert, wenn die Substanz auf 900 Grad erhitzt und dadurch ihre Struktur zerstört wird. Sollte es den Forschern gelingen, den genauen Mechanismus aufzuklären, würde dies den Weg für kostengünstige Behandlungen einiger Krankheiten ebnen. Zudem könnte durch die Verwendung der Mineralerde auch das Problem der zunehmenden Antibiotika-Resistenz vieler Bakterien gemildert oder sogar komplett gelöst werden.

Linda Williams (Arizona State University, Tempe) et al.: Beitrag auf dem Jahrestreffen der Geologischen Gesellschaft von Amerika, Denver


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