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Das Kuschelhormon Oxytocin stärkt nicht nur das Vertrauen in andere Menschen, es hilft auch beim Wiedererkennen von Gesichtern: Wer eine Dosis des Hormons als Nasenspray verabreicht bekommt, kann besser zwischen vertrauten und fremden Gesichtern unterscheiden, haben Schweizer Forscher jetzt gezeigt. Die Erinnerung an leblose Gegenstände wie Häuser oder Statuen wird von dem Hormon hingegen nicht beeinflusst. Die Studie zeige einmal mehr, wie wichtig Oxytocin für den Umgang mit anderen Menschen und das Sozialverhalten im Allgemeinen ist, schreiben Ulrike Rimmele und ihr Team.

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Bei Tieren gilt Oxytocin bereits seit einigen Jahren als eines der, wenn nicht gar das zentrale Steuerhormon für das Sozialverhalten. Es reduziert unter anderem die Ausschüttung von Stresshormonen und macht so das Miteinander friedlicher. Zudem hilft es Mäusen und Ratten, vertraute Artgenossen am Geruch zu erkennen. Auch beim Menschen deutet vieles auf eine wichtige Rolle des Hormons beim Sozialverhalten hin. So können etwa Männer unter Oxytocin-Einfluss emotionale Gesichtsausdrücke besser identifizieren, und auch das Vertrauen in andere Menschen steigt, wenn das Hormon zuvor verabreicht wurde. Ob es jedoch wie bei Mäusen das soziale Lernen verbessert, das etwa dem Wiedererkennen eines Gesichts zugrundeliegt, war bislang unklar.

Um das zu testen, verabreichten Rimmele und ihre Kollegen 22 jungen Männern eine Dosis Oxytocin-Nasenspray und weiteren 22 ein wirkstofffreies Placebo. Vierzig Minuten später bekamen die Probanden Bilder von Gesichtern, Gebäuden und Kunstwerken gezeigt, die sie nach bestimmten, für den Test völlig irrelevanten Kriterien bewerten sollten. Am nächsten Tag wurden denselben Testteilnehmern überraschend weitere Bilder gezeigt, darunter einige, die sie bereits am Tag zuvor gesehen hatten. Dabei zeigte sich ein messbarer Unterschied zwischen den Gruppen: Die Oxytocin-Probanden konnten mit einer höheren Trefferquote angeben, ob ihnen die Gesichter vertraut waren oder nicht, wohingegen sie bei den anderen Bildern genauso abschnitten wie die Kontrollgruppe.

„Wir können in dieser Studie zum ersten Mal beim Menschen nachweisen, dass das Hormon Oxytocin spezifisch das Gedächtnis für soziale Informationen verbessert“, erläutert Mitautor Markus Heinrich von der Universität Zürich gegenüber wissenschaft.de. Das Gesicht sei beim Menschen schließlich das primäre soziale Merkmal, von dessen Erkennen alle weiteren sozialen Interaktionen abhängen. Die Ergebnisse seien vor allem im Hinblick auf psychische Störungen interessant, die mit Problemen im Sozialverhalten einhergehen. „In aktuellen, noch nicht publizierten Befunden sehen wir sogar klinische Effekte bei Personen mit Autismus und sozialer Phobie. Es ist also zu hoffen, dass wir demnächst neue Therapiemethoden bei bislang schwer zu behandelnden psychischen Erkrankungen mit schweren sozialen Defiziten anbieten können, etwa auch bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung“.

Ulrike Rimmele (New York University) et al.: Journal of Neuroscience, DOI:10.1523/jneurosci.4260-08.2009


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