Tinnitus – Heilen mit Musik?

Es zischt, es brummt, es pfeift, es rauscht oder klingelt. „Tinnitus“ heisst die Diagnose bei drei Millionen Menschen in Deutschland – und jährlich kommen etwa 270.000 Patienten hinzu. Ursache für die Ohrgeräusche ohne äussere Schallquelle können etwa Mittelohrerkrankungen, starker Lärm, Virusinfektionen, Nikotin- und Alkoholabusus oder einfach Stress sein. Die herkömmliche Behandlung beschränkt sich oft auf durchblutungsfördernde Medikamente, die allerdings nur bei wenigen Patienten wirken. Typisch für die Erkrankung ist der chronische Verlauf, so dass manche Patienten über Jahrzehnte mit dem belastenden Geräusch im Ohr leben. Schlaf- und Aufmerksamkeitsstörungen, Depressionen und Ängstlichkeit bis hin zur Arbeitsunfähigkeit sind oft die Folge. Interessanterweise zeigen bildgebende Verfahren bei chronischem Tinnitus häufig Veränderungen im Gehirn, die sehr ähnlich zu denen im Schmerzzentrum bei Phantomschmerz-Patienten sind. Das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung und die Universität Heidelberg starten nun Anfang Januar 2006 eine Studie, bei der die Behandlung mit Musikinstrumenten im Mittelpunkt steht. Klavier, Pauke und Gong sollen Patienten helfen, den unerwünschten Ton im Kopf zu vertreiben. Um 63 % habe sich in der Pilotphase die Tinnitus-Belastung reduzieren lassen, so die Wissenschaftler. Auf der WPK in Bonn präsentiert das interdisziplinäre Wissenschaftsteam Resultate aus der Pilotphase und das Konzept der geplanten Studie.

Es diskutieren:

Heike Argstatter, M.A. Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e. V., Heidelberg

Prof. Dr. Hans Volker Bolay Dekan der Fakultät für Musiktherapie der Fachhochschule Heidelberg, Geschäftsführender Vorstand des DZM, Heidelberg

Prof. Dr. Peter K. Plinkert Geschäftsführender Direktor der Hals-Nasen-Ohren-Klinik an der Universität Heidelberg

Moderation: Michael Lange

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