Gesundheit, Wellness, Medizin

Obst und Gemüse: Schutz vor Krebserkrankungen? Stellungnahme des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam- Rehbrücke (DIfE) Seit Beginn der 90er Jahre wird mit der 5-am-Tag-Kampagne, einer der grössten gesundheitsbezogenen Kampagnen der letzten Jahre, in den USA und in Europa das Ziel verfolgt, den Verzehr von Gemüse und Obst anzuheben – in Deutschland von derzeitig durchschnittlich 350 g/Tag auf 650 g/Tag. Ein wesentlicher Grund für diese Kampagne war die Annahme, dass sich ein grosser Teil der Krebserkrankungen durch Änderungen der Ernährungsgewohnheiten verhindern liesse (Doll und Peto, 1981). Diese Annahme wurde durch Ländervergleiche, Fall-Kontroll- Studien und einige wenige Kohortenstudien gestützt. In den letzten Jahren sind die Daten mehrerer grosser, prospektiv angelegter Kohortenstudien publiziert worden, so dass u.E. die Bewertung der vermuteten Assoziation von Obst- und Gemüse-Verzehr und Krebsrisiko nun auf einer breiteren Datenbasis erfolgen kann. Die Auswertung der beiden amerikanischen Kohorten Nurses Health Study und Health Professional Study (insgesamt 109,000 Teilnehmer, 2500 Krebsfälle) zeigte keinen Einfluss des Obst- und Gemüseverzehrs auf das gesamte Krebsrisiko und nur eine geringe (und nicht signifikante) Absenkung des Erkrankungsrisikos für chronische Erkrankungen (5%) insgesamt (Hung et al., 2004). Dieses Ergebnis schliesst jedoch nicht aus, dass es für einzelne Krebsarten und in anderen Populationen signifikante Assoziationen gibt. Deshalb sollten zur Beurteilung der Datenlage alle prospektiv angelegten Untersuchungen, die nach Krebsart differenzieren, insbesondere auch die wichtigsten europäischen Studien, herangezogen werden (siehe Tabelle). Die Daten der prospektiven Kohortenstudien zeigen übereinstimmend, dass zwischen dem Verzehr von Obst und Gemüse und dem Risiko einer Brustkrebserkrankung keine Assoziation besteht (Smith-Warner et al., 2001; van Gils et al., 2005). Sie zeigen aber ein signifikant erniedrigtes Lungenkrebs-Risiko in der Quintile (Fünftel) der Studienteilnehmern mit dem höchsten Obstverzehr (Voorrips et al., 2000; Smith-Warner et al., 2003; Miller et al., 2004). Diese Assoziation ist ein Hinweis auf eine schützende Wirkung des Obstverzehrs, kann diese jedoch nicht zweifelsfrei beweisen. Es muss zudem hervorgehoben werden, dass die Daten für den geringeren Obstverzehr von Rauchern korrigiert werden mussten; einige Autoren schliessen deshalb nicht aus, dass die Assoziation durch einen Rest- Effekt des sog. Confounders Rauchen zustande gekommen ist (Smith- Warner et al., 2003). Die Daten zur Rolle des Obst- und Gemüseverzehrs in der Entstehung des Colon/Rectum-Carcinom sind bislang inkonsistent, zeigen geringe Effekte und z.T. nur in Subgruppen der Studienpopulationen (s. Tabelle). Allerdings ist die Rolle der Ernährung für die Entstehung dieser Krebsform am besten belegt: So hatte die EPIC-Studie gezeigt, dass ein hoher Ballaststoffgehalt der Ernährung mit einem erniedrigten Dickdarmkrebs-Risiko assoziiert ist (Bingham et al., 2003). Nach der jetzigen Datenlage ist also das vermutete Krebs-präventive Potenzial von Obst und Gemüse geringer als bislang angenommen und auf wenige Krebsarten beschränkt. Ob sich diese Beurteilung nach sehr langen Beobachtungszeiten ändern kann, werden die weiteren Auswertungen der noch laufenden EPIC-Studie sowie anderer grosser Kohortenstudien klären. Die 5-am-Tag-Kampagne hat ihre Begründung auch in der Beobachtung, dass Herz-Kreislauferkrankungen in Bevölkerungsgruppen, die viel Gemüse und Obst verzehren, vermindert auftreten (WHO, 2003). Dieser Effekt wurde in der US-amerikanischen Studie (Hung et al., 2004) bestätigt: eine Erhöhung des Obst- und Gemüseverzehrs von durchschnittlich 2,6 auf 9,4 Portionen pro Tag senkte das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen pro Gemüse- und Obstportion um 12%. Die Beweislage für einen protektiven Effekt eines hohen Gemüse- und Obstverzehrs ist also für Herz- Kreislauferkrankungen erheblich besser als für Krebserkrankungen, wie zudem schon 2003 von einem Expertengremium der Weltgesundheitsorganisation festgestellt wurde (WHO 2003). Deshalb kann u.E. an der allgemeinen Empfehlung, den Obst- und Gemüseverzehr in Deutschland auf die in Spanien und Griechenland verzehrte Menge (650g) anzuheben, festgehalten werden.

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