Schlechte Laune nimmt’s genauer

Zuverlässigkeit des Gedächtnisses hängt von der Stimmungslage ab

Bei guter Stimmung spielt uns unser Gedächtnis eher einen Streich als bei schlechter Stimmung. Das haben amerikanische Psychologen bei der Untersuchung so genannter Pseudoerinnerungen herausgefunden. Das sind vermeintliche Erinnerungen an Ereignisse, die nie stattgefunden haben. Die Ursache ist die unterschiedliche Speicherung der Ereignisse im Gehirn: Bei schlechter Stimmung werden Ereignisse und Objekte eher über ihre speziellen Eigenschaften verarbeitet, bei guter Stimmung werden Ähnlichkeiten zwischen den Objekten gesucht und assoziativ gespeichert. Diese Assoziationen können dann Erinnerungen an Ereignisse hervorrufen, die gar nicht erlebt wurden.

Die Wissenschaftler interessierte, ob Pseudoerinnerungen bei bestimmten Stimmungslagen häufiger auftreten und führten ein Experiment durch, das die Testpersonen zu diesen falschen Erinnerungen verleiten sollte. Dazu teilten sie die Probanden in Gruppen ein: Die einen wurden mit der „Kleinen Nachtmusik“ von Mozart in eine positive Stimmung gebracht, die anderen hörten ein Musikstück von Gustav Mahler, was sie in eine negative Stimmungslage versetzen sollte. Die Probanden erhielten dann Listen mit Wörtern, die sie sich merken sollten. Die Wörter waren inhaltlich zusammenhängend, aber bestimmte übergeordnete Begriffe fehlten. Stand auf der Liste beispielsweise Bett, Kissen, Ruhe und Traum, war das fehlende übergeordnete Wort „Schlaf“.

Die schlecht gelaunten Probanden merkten sich die Begriffe eher Wort für Wort und konnten sich gut an die einzelnen Begriffe erinnern. Die Probanden in guter Stimmung versuchten dagegen häufiger Assoziationen zu bilden. Als sie sich dann an die Begriffe erinnern sollten, unterliefen ihnen jedoch mehr Fehler. Sie erinnerten sich nämlich nicht nur an die tatsächlich gelesenen Wörter sondern auch an die assoziativen, übergeordneten Begriffe. Diese Pseudoerinnerungen schienen ihnen genauso real wie die anderen Erinnerungen.

Die Wissenschaftler sehen ihre Ergebnisse als Bestätigung der so genannten „fuzzy-trace theory“, was so viel wie „unscharfe Spur“ bedeutet. Danach werden Ereignisse parallel auf zwei Gedächtnisspuren im Gehirn gespeichert: Die eine Spur oder Repräsentation speichert das Wort an sich ab, die andere Spur die gemeinsame Bedeutung der Begriffe. Sollten sich die Testpersonen an die vorher gelernten Begriffe erinnern, konnten sie entweder auf die eine oder auf die andere Spur zurückgreifen. Wählten sie dabei die weniger präzise Bedeutungs-Spur, waren Fehler beim genauen Erinnern wahrscheinlich.

Justin Storbeck, Gerald Clore (Universität von Virginia, Charlottesville) et al.: Psychological Science (Oktober, 2005)

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