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Migräne-Patienten sollten Käse, Rotwein, scharfe Gewürze und lang gelagerte Wurst meiden, heisst es in vielen Kopfschmerz-Ratgebern. Doch es besteht keineswegs Einigkeit unter den Experten. So hält die Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (DMKG) einen generellen Verzicht für überflüssig.

„Die Migräne ist definitiv keine Allergie“, meint DMKG-Generalsekretär Dr. Arne May. Sicherlich: Bestimmte Speisen können eine Migräne-Attacke auslösen. Aber nicht bei allen Patienten spielen Nahrungsmittel eine Rolle. Stress etwa sei als Trigger (Auslöser) viel weiter verbreitet, meint May.

Hat ein Patient jedoch den Verdacht, dass ein bestimmtes Nahrungsmittel bei ihm eine Attacke auslöst, führt er am besten über mehrere Wochen ein
Kopfschmerztagebuch, in dem er auch seine Nahrungsgewohnheiten detailliert notiert. Bei einigen Patienten kann der Verzicht auf ganz bestimmte Lebensmittel die Zahl der Anfälle halbieren, so die DMKG. May hat noch eine etwas andere Beobachtung gemacht: „Wenn man bei Kindern, die sehr viel von einem bestimmten Lebensmittel essen, dieses einmal weglässt, bessert sich die Migräne oftmals.“

Es gibt unterschiedliche Nahrungsbestandteile, die eine Attacke anstossen können: Vor allem biogene Amine wie Tyramin und Histamin stehen häufig im Verdacht, Migräne-Trigger zu sein. Ein hoher Gehalt dieser stickstoffhaltigen Verbindungen findet sich in Lebensmitteln, die durch langes Reifen, Lagern oder intensive Verarbeitung durch Mikroorganismen verändert werden: in Käse – etwa Parmesan, Schimmelkäse, Appenzeller, Sauerkraut, Rotwein und Salami.

Auch Zusatzstoffe wie der Geschmacksverstärker Glutamat, der vor allem in asiatischen Gerichten vorkommt, kann eine Attacke auslösen. Einige Migräne-Patienten reagieren zudem auf in Pökelsalz enthaltene Nitrate und Nitrite empfindlich. Gelegentlich lösen auch Eiscreme und extrem kalte Getränke eine Attacke aus. Dies ist allerdings nicht auf einen Inhaltsstoff zurückzuführen: Vielmehr wird bei einigen Patienten durch den Kälteschock der Trigeminus-Nerv (V. Hirnnerv) gereizt.

Lange fand sich bei einigen Migräne-Kranken auf der Schwarzen Liste auch Schokolade, die wie Käse, Rotwein und Rohwürste biogene Amine (Phenylethylamin) enthält. Doch inzwischen vermuten Experten: Bestimmte Prozesse im Hirnstoffwechsel, die einer Attacke vorausgehen, rufen bei manchen Patienten Heisshunger auf Süsses hervor. Dies zeigt: Auch wenn es einen Zusammenhang zwischen Migräne und bestimmten Lebensmitteln gibt, lassen sich Ursache und Folge nicht immer eindeutig benennen.

Möglicherweise hat also Oliver Sacks Recht, der in seinem Buch „Migräne“ (Rowohlt, 2002) schreibt: „Ich glaube nicht, dass man eine Migräne jemals auf eine bestimmte Nahrungsmittelempfindlichkeit zurückführen kann, und vermute hinter jeder derartigen Verbindung einen konditionierten Reflex.“

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