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Ein Wirkstoff aus Schneeglöckchen kann die Symptome schwacher oder mittleren Alzheimer-Erkrankung einer neuen Studie zufolge deutlich mildern. Das Ergebnis der Versuche in europäischen und kanadischen Kliniken stellt ein Team um Gordon Wilcock von der Universität Bristol (Grossbritannien) im „British Medical Journal“ (Bd. 321, S. 1445) vom Samstag vor. Alzheimer-Kranke haben zu wenig von dem Nervenbotenstoff Acetylcholin im Gehirn. Genau daran setze der neue Wirkstoff Galantamin an, wie andere Mittel auch schon, erläuterte Prof. Hans Förstl, Direktor der Psychiatrischen Klinik der Technischen Universität München, auf Anfrage der dpa. Galantamin optimiere jedoch ein bereits bekanntes Wirkprinzip und dies stimme hoffnungsvoll. Der Wirkstoff fördere einerseits die Ausschüttung von Acetylcholin und bremse andererseits dessen Abbau. „Ob er den anderen Wirkstoffen deutlich überlegen ist, muss sich auch nach dieser Studie erst im klinischen Gebrauch noch beweisen“, sagte Förstl.

Die Ursache der Krankheit werde jedoch mit keinem der Mittel beseitigt, die typischen Alzheimer-Ablagerungen im Gehirn blieben. Diese Mittel packten das Problem nicht an der Wurzel, führten aber zur deutlichen Milderung der Symptome, sagte Förstl. Galantamin werde voraussichtlich im nächsten Jahr in Deutschland zugelassen.

Für die internationale Untersuchung war insgesamt 653 Patienten mit schwachen oder mittleren Formen von Alzheimer für sechs Monate entweder der Wirkstoff Galantamin in zwei verschiedenen Dosierungen oder ein Scheinmedikament (Placebo) gegeben worden. Bei den anschliessenden Standardtests für Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache und Orientierung schnitten die Patienten, die das neue Mittel bekommen hatten, signifikant besser ab. Zudem sei Galantamin gut verträglich und zeige kaum Nebenwirkungen, berichte Wilcock.

Förstl kritisierte, dass derartige Mittel zu wenig verschrieben würden. „Sie kosten acht bis zehn Mark am Tag. Für jeden dementen Patienten wird de facto aber nur eine Mark pro Tag für entsprechende Medikamente ausgegeben.“ Das liege an der Budgetierung, aber auch am mangelnden Verständnis der Ärzte für die Erkrankung. Die Krankheit schreite mit den neuen Mitteln zwar noch fort, aber der Verlauf sei zu mildern. Die Medikamente hätten auch keine so starken Nebenwirkungen mehr wie die vor zehn Jahren.

„Die Pflege bei diesen Patienten ist das A und O. Sie kann aber durch sinnvolle Medikamente erleichtert werden“, sagte Förstl. Für die Patienten sei alles wichtig, was Freude und Spass macht – häufig Geselligkeit und Musik. Ein trockenes Gehirntraining führe oft zur Demütigung der Patienten und sei dann kontraproduktiv.

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