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Zwei linke Hände: Im Alter muss die „schwache“ Hand helfen Studie: Händigkeit verändert sich im Lauf des Lebens RUB-Forscher berichten in der Erstausgabe von PloS ONE

Bei der Frage nach ihrer bevorzugten oder „dominanten“ Hand können die meisten Menschen eindeutig auf ihre rechte oder linke Hand verweisen “ nur Wenige bezeichnen sich selbst als Beidhänder. Diese eindeutige Bevorzugung einer Hand lässt jedoch im Alter nach, ohne dass dies einem selbst bewusst wird: Die dominante Hand verliert an Feingefühl und wird im Alltag zunehmend von der anderen Hand unterstützt. Das haben Bochumer Forscher um Dr. Tobias Kalisch unter der Leitung von Assoc. Prof. Dr. Hubert Dinse (Institut für Neuroinformatik) und Prof. Martin Tegenthoff (Neurologische Universitätsklinik Bergmannsheil) bei der Untersuchung der Handdominanz von 96 rechtshändigen Menschen im Alter von 20 bis 90 Jahren herausgefunden. Über ihre Ergebnisse berichten sie in dem zum Jahresende neu erscheinenden Journal „PloS ONE“ (http://www.plosone.org) der Public Library of Science.

Mehr Fotos zu dieser Presseinformation finden Sie zum Herunterladen im Internet unter: http:www.pm.rub.de/pm2006/msg00433.htm

In der eigenen Vorstellung bleibt die rechte Hand dominant

Zur Erfassung der Händigkeit werden häufig standardisierte Befragungen eingesetzt, bei denen die bevorzugte Hand für verschiedene Tätigkeiten des alltäglichen Lebens erfragt wird. Bei diesen Befragungen zur Handpräferenz wurde in der Vergangenheit eher eine Verstärkung der Rechtshändigkeit mit zunehmendem Alter festgestellt “ aber eben nur auf Grundlage von introspektiven Überlegungen.

Praktisch hilft die linke mehr und mehr mit

Die Bochumer Neurowissenschaftler haben im ersten Experiment ihrer Studie die herkömmlichen Befragungstests mit einer Reihe von praktischen Tests zur Feinmotorik kombiniert. Während bei jungen Rechtshändern die rechte Hand der linken überlegen ist, stellten sie fest, dass sich die Leistungen der rechten und linken Hand mit zunehmendem Alter merklich angleichen. „Diese Entwicklung konnte auf einen stärkeren altersbedingten feinmotorischen Leistungsverlust der rechten Hand zurückgeführt werden“, erklärt Dr. Kalisch. Zusätzlich rüsteten die Forscher im zweiten Experiment Testpersonen verschiedenen Alters mit Bewegungssensoren aus, die die Bewegungen der Hände in ganz alltäglichen Situationen über einen längeren Zeitraum aufzeichneten.

Diese unter Alltagsbedingungen erhobenen Daten stützen die Aussagen des ersten Experiments und zeigten somit, dass ältere Versuchspersonen die nicht-dominante linke Hand häufiger im Alltag benutzen als jungen Versuchspersonen das tun.

Angleichung der Hände verläuft unmerklich

„Die Aussagen der Tests zur feinmotorischen Leistungsfähigkeit und zum Handgebrauch unter Alltagsbedingungen stehen im Widerspruch zu den durchgeführten Befragungen der Versuchspersonen, bei denen sich immer eine deutliche Rechtshändigkeit dargestellt hatte“, fasst Dr. Dinse zusammen. „Man kann also schlussfolgern, dass ältere Menschen davon überzeugt sind, immer noch bevorzugt die rechte Hand zu gebrauchen “ aber beim tatsächlichen Einsatz der Hände mehr und mehr auch die linke Hand zum Einsatz kommt.“

Für die Feinmotorik gilt: „Use it “ or lose it“

Da die Entwicklung hin zur funktionellen Beidhändigkeit im Alter in erster Linie durch einen starken Leistungsverlust der rechten Hand verursacht wird, nehmen die Wissenschaftler an, dass anspruchsvolle manuelle Tätigkeiten, die zum Erhalt der feinmotorischen Leistung beitragen, diese Entwicklung verhindern oder abschwächen können. Also gilt auch im Bezug auf die menschliche Handdominanz die in der Altersforschung gebräuchliche Aussage „Use it “ or lose it“.

PloS One “ Forum für die Forschung

Mit dem Start des Journals „PloS ONE“ zum Ende des Monats wird ein weiterer Schritt hin zur freien Verfügbarkeit wissenschaftlicher Veröffentlichungen getan. Die internetbasierte Plattform für Publikationen aus unterschiedlichsten Fachbereichen wie Medizin, Biologie, Chemie, Physik, Ingenieurwissenschaften verfolgt das so genannte „open-access2.0“-Prinzip, nach dem Forschungsergebnisse nicht nur öffentlich zugänglich gemacht werden, sondern auch gleichzeitig ein Forum mit der Möglichkeit zur Kommentierung der Arbeiten geschaffen wird. In der Vergangenheit haben sich bereits mehrere eigenständige Zeitschriften in der Public Library of Science etabliert, sodass die Entwicklung von PloS One aufmerksam beobachtet werden wird.



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