Gesundheit, Wellness, Medizin

Lancet-Artikel entbehrt wesentlicher wissenschaftlicher Grundlagen

Einige Wissenschaftler sind der Ansicht, dass der Glaube an ein Heilverfahren die Linderung bzw. Heilung bestimmter Symptome bewirkt, nicht das in der Homöopathie verwendete Mittel selbst. Eine grosse Studie einer Forschergruppe um Matthias Egger von der Universität Bern behauptet dies in der jüngsten Ausgabe des angesehenen Wissenschaftsjournals „The Lancet“ http://www.thelancet.com. Die Autoren fordern, Ärzte sollten nun so ehrlich sein, diese „Erkenntnis“ auch ihren Patienten mitzuteilen. Doch bei genauerer Betrachtung gibt es einige Unregelmässigkeiten in der Art wie das Ergebnis zustande gekommen ist, meinen Wiener Wissenschaftler im pressetext-Interview.

Die Wissenschaftler um Egger planten ursprünglich, 110 Studien der Homöopathie und die gleiche Zahl von konventionellen Studien hinsichtlich der Wirksamkeit beider Methoden zu untersuchen. In allen Studien trat der jeweilige Wirkstoff gegen ein Scheinmedikament (Placebo) an. Weiters bewerteten sie die Untersuchungen nach Teilnehmerzahl und methodologischer Qualität. Eine besonders gute Bewertung wurde randomisierten doppelblinden Studien gegeben, das sind Studien, bei denen weder die Teilnehmer noch die Mediziner wussten, welche Substanz jeweils verabreicht wurde. Das sensationelle Ergebnis dabei war: In diesen insgesamt 220 Studien zeigten sowohl die Homöopathie als auch die konventionelle Medizin eine deutliche Wirksamkeit.

Von diesen 220 Studien wurden dann so genannte „grosse, methodologisch bessere“ Untersuchungen, nämlich acht homöopathische und sechs konventionelle Studien nochmals analysiert: Nun fanden die Autoren plötzlich nur noch bei konventionellen Methoden einen spezifischen Effekt, nicht jedoch bei der Homöopathie. „Diese Ergebnisse passen zu der Annahme, dass die klinischen Effekte der Homöopathie Placebo-Effekte sind“, lautet die Schlussfolgerung im Lancet-Artikel. Sie gehen von der Annahme aus, wenn nach einer homöopathischen Behandlung eine Besserung zu bemerken sei, die auch mit einem Scheinmedikament erreicht hätte werden können – notwendig sei lediglich der Glaube an die Wirksamkeit des verabreichten Mittels.

Von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus, gibt es aber einige Anmerkungen, wie dies die Wiener Forscher Michael Frass von der Klinik für Innere Medizin I am AKH-Wien http://www.meduniwien.ac.at , Ernst Schuster vom BE für medizinische Statistik und Informatik an der Medizinischen Universität und die Pharmazeutin Ilse Muchitsch im pressetext-Gespräch bemerken. „Die aufregende Nachricht ist, dass Homöopathie wirkt, wie in den Resultaten beschrieben wurde: bei beiden Gruppen konnte ein günstiger Effekt gezeigt werden, wenn alle 110 Studien berücksichtigt wurden. Die Autoren anerkennen eine weniger ausgeprägte Heterogenität bei den homöopathischen Studien. Zudem wurde eine höhere Qualität der untersuchten Studien bei der Homöopathie Gruppe konstatiert. „Hier herrscht weitgehende Übereinstimmung mit den Autoren“, kommentieren die Wiener Wissenschaftler.

Probleme gäbe es aber mit der Schlussfolgerung. „Zunächst bleibt es selbst bei sorgfältiger Auswahl problematisch, Studien aus einem Pool von 165 bei der Homöopathie mit mehr als 200.000 bei der konventionellen Medizin zu vergleichen. Dieser Faktor von 1.000 enthält bereits eine Asymmetrie in diesem Vergleich“. Das sei vergleichbar mit einer Fussballmannschaft: Wenn der Nationaltrainer die Möglichkeit, Fussballer aus einem Land mit 80 Mio. Einwohnern auszuwählen, so hat er eine grössere Chance, gute Fussballer zu finden, als aus einem Land mit acht Mio. Einwohnern.

Kritisiert wird von den Wiener Experten auch die Tatsache, dass weder die Kurzfassung noch die Einleitung der Publikation ein klar definiertes Studienziel enthalten. Zudem weicht das Design der Studie von der tatsächlich angewandten Analyse ab und daher stellt die ausführliche Beschreibung der Auswahl der Arbeiten und Datenbasen eine Scheininformation dar: anstatt die durch ihre Ein- bzw. Ausschlusskriterien gefundenen 220 Studien in ihrer Gesamtheit zu analysieren, reduzieren die Autoren die Zahl der eingeschlossenen Studien auf „grössere Untersuchungen höherer Qualität“. Bei Verwendung dieser Untergruppen, scheinen die Resultate zwischen konventioneller Medizin und Homöopathie unterschiedlich. Allerdings bleibt eine gewisse Unsicherheit über die Auswahl dieser acht (Homöopathie) versus sechs (konventionelle Medizin) Studien bestehen.

„Der Leser sollte im Auge behalten, dass diese Arbeit nicht, wie im Titel suggeriert, Studien der Homöopathie mit Studien der konventionellen Medizin vergleicht, sondern die spezifischen Effekte der beiden Methoden in unabhängigen Analysen. Daher darf ein direkter Vergleich aus dieser Studie nicht gezogen werden“, argumentieren die Wiener Forscher. „Hätten sie das nämlich getan, dann wäre kein statistisch nachweisbarer Effekt übrig geblieben“, lautet die Schlussfolgerung. „Was die Autoren möglicherweise nicht ausdrücklich wissen, ist, dass die grösseren Studien selten klassische homöopathische Interventionen sind: daher kann das Hauptprinzip der Homöopathie, die individuelle Verordnung, nicht angewandt werden. Dadurch mangelt es der Studie an einer Kenntnis dessen, was Homöopathie eigentlich repräsentiert“, schlussfolgern die Wiener.

„Beim Lesen der Studie waren wir zunächst überzeugt, dass die Autoren das Bemühen hatten, mehr Information zum Leser zu bringen und den Ärzten eine Hilfe zur Beratung der Patienten in die Hand zu geben.“ Allerdings werde dieser Eindruck durch das Editorial völlig überraschend verwischt, denn bereits der Titel impliziert die Intention, diesen speziellen Artikel zu publizieren. Beim Lesen des letzten Satzes „Nun müssen die Doktoren mutig und ehrlich mit ihren Patienten sein“ entstehe die Besorgnis, Lancet deutet an, homöopathische Ärzte seien unehrlich. (Ende)

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Lancet-Artikel entbehrt wesentlicher wissenschaftlicher Grundlagen

Einige Wissenschaftler sind der Ansicht, dass der Glaube an ein Heilverfahren die Linderung bzw. Heilung bestimmter Symptome bewirkt, nicht das in der Homöopathie verwendete Mittel selbst. Eine grosse Studie einer Forschergruppe um Matthias Egger von der Universität Bern behauptet dies in der jüngsten Ausgabe des angesehenen Wissenschaftsjournals „The Lancet“ http://www.thelancet.com. Die Autoren fordern, Ärzte sollten nun so ehrlich sein, diese „Erkenntnis“ auch ihren Patienten mitzuteilen. Doch bei genauerer Betrachtung gibt es einige Unregelmässigkeiten in der Art wie das Ergebnis zustande gekommen ist, meinen Wiener Wissenschaftler.

Die Wissenschaftler um Egger planten ursprünglich, 110 Studien der Homöopathie und die gleiche Zahl von konventionellen Studien hinsichtlich der Wirksamkeit beider Methoden zu untersuchen. In allen Studien trat der jeweilige Wirkstoff gegen ein Scheinmedikament (Placebo) an. Weiters bewerteten sie die Untersuchungen nach Teilnehmerzahl und methodologischer Qualität. Eine besonders gute Bewertung wurde randomisierten doppelblinden Studien gegeben, das sind Studien, bei denen weder die Teilnehmer noch die Mediziner wussten, welche Substanz jeweils verabreicht wurde. Das sensationelle Ergebnis dabei war: In diesen insgesamt 220 Studien zeigten sowohl die Homöopathie als auch die konventionelle Medizin eine deutliche Wirksamkeit.

Von diesen 220 Studien wurden dann sogenannte „grosse, methodologisch bessere“ Untersuchungen, nämlich acht homöopathische und sechs konventionelle Studien nochmals analysiert: Nun fanden die Autoren plötzlich nur noch bei konventionellen Methoden einen spezifischen Effekt, nicht jedoch bei der Homöopathie. „Diese Ergebnisse passen zu der Annahme, dass die klinischen Effekte der Homöopathie Placebo-Effekte sind“, lautet die Schlussfolgerung im Lancet-Artikel. Sie gehen von der Annahme aus, wenn nach einer homöopathischen Behandlung eine Besserung zu bemerken sei, die auch mit einem Scheinmedikament erreicht hätte werden können -“ notwendig sei lediglich der Glaube an die Wirksamkeit des verabreichten Mittels.

Von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus, gibt es aber einige Anmerkungen, wie dies die Wiener Forscher Michael Frass von der Klinik für Innere Medizin I am AKH-Wien http://www.meduniwien.ac.at , Ernst Schuster vom BE für medizinische Statistik und Informatik an der Medizinischen Universität und die Pharmazeutin Ilse Muchitsch im pressetext-Gespräch bemerken. „Die aufregende Nachricht ist, dass Homöopathie wirkt, wie in den Resultaten beschrieben wurde: bei beiden Gruppen konnte ein günstiger Effekt gezeigt werden, wenn alle 110 Studien berücksichtigt wurden. Die Autoren anerkennen eine weniger ausgeprägte Heterogenität bei den homöopathischen Studien. Zudem wurde eine höhere Qualität der untersuchten Studien bei der Homöopathie Gruppe konstatiert. „Hier herrscht weitgehende Übereinstimmung mit den Autoren“, kommentieren die Wiener Wissenschaftler.

Probleme gäbe es aber mit der Schlussfolgerung. „Zunächst bleibt es selbst bei sorgfältiger Auswahl problematisch, Studien aus einem Pool von 165 bei der Homöopathie mit mehr als 200.000 bei der konventionellen Medizin zu vergleichen. Dieser Faktor von 1.000 enthält bereits eine Asymmetrie in diesem Vergleich“. Das sei vergleichbar mit einer Fussballmannschaft: Wenn der Nationaltrainer die Möglichkeit, Fussballer aus einem Land mit 80 Mio. Einwohnern auszuwählen, so hat er eine grössere Chance, gute Fussballer zu finden, als aus einem Land mit acht Mio. Einwohnern.

Kritisiert wird von den Wiener Experten auch die Tatsache, dass weder die Kurzfassung noch die Einleitung der Publikation ein klar definiertes Studienziel enthalten. Zudem weicht das Design der Studie von der tatsächlich angewandten Analyse ab und daher stellt die ausführliche Beschreibung der Auswahl der Arbeiten und Datenbasen eine Scheininformation dar: anstatt die durch ihre Ein- bzw. Ausschlusskriterien gefundenen 220 Studien in ihrer Gesamtheit zu analysieren, reduzieren die Autoren die Zahl der eingeschlossenen Studien auf „grössere Untersuchungen höherer Qualität“. Bei Verwendung dieser Untergruppen, scheinen die Resultate zwischen konventioneller Medizin und Homöopathie unterschiedlich. Allerdings bleibt eine gewisse Unsicherheit über die Auswahl dieser acht (Homöopathie) versus sechs (konventionelle Medizin) Studien bestehen.

„Der Leser sollte im Auge behalten, dass diese Arbeit nicht, wie im Titel suggeriert, Studien der Homöopathie mit Studien der konventionellen Medizin vergleicht, sondern die spezifischen Effekte der beiden Methoden in unabhängigen Analysen. Daher darf ein direkter Vergleich aus dieser Studie nicht gezogen werden“, argumentieren die Wiener Forscher. „Hätten sie das nämlich getan, dann wäre kein statistisch nachweisbarer Effekt übrig geblieben“, lautet die Schlussfolgerung. „Was die Autoren möglicherweise nicht ausdrücklich wissen, ist, dass die grösseren Studien selten klassische homöopathische Interventionen sind: daher kann das Hauptprinzip der Homöopathie, die individuelle Verordnung, nicht angewandt werden. Dadurch mangelt es der Studie an einer Kenntnis dessen, was Homöopathie eigentlich repräsentiert“, schlussfolgern die Wiener.

„Beim Lesen der Studie waren wir zunächst überzeugt, dass die Autoren das Bemühen hatten, mehr Information zum Leser zu bringen und den Ärzten eine Hilfe zur Beratung der Patienten in die Hand zu geben.“ Allerdings werde dieser Eindruck durch das Editorial völlig überraschend verwischt, denn bereits der Titel impliziert die Intention, diesen speziellen Artikel zu publizieren. Beim Lesen des letzten Satzes „Nun müssen die Doktoren mutig und ehrlich mit ihren Patienten sein“ entstehe die Besorgnis, Lancet deutet an, homöopathische Ärzte seien unehrlich.

Anmerkung der Redaktion:
Bei den zahlreichen Versuchen der Schulmedizin, die Unwirksamkeit der Homöopathie zu beweisen, wird eine wesentliche Erkenntnis Hahnemanns nicht berücksichtigt: die Zuordnung des Mittels zu einem bestimmten Patienten-Typ. Jetzt zeigen die Erkenntnisse und Möglichkeiten der Gentechnik bereits, dass gentechnisch eine mehr oder grosse Veranlagung sowohl für den Eintritt einer bestimmten Erkrankung, wie auch die Wirkung von Medikamenten oder anderen Stoffen gegeben ist. Das Ergebnis eines solchen Forschungsprojektes ergab z.B., dass die Gefahr nach Konsum von Mariuhana, bedingt durch die Konstellation der Gene, an Krebs zu erkranken für eine bestimmte Gruppe sehr hoch, eine andere relativ gering und eine dritte praktisch auszuschliessen ist.

Es ist anzunehmen, dass das Wissen um diese Zusammenhänge sicherlich vorhanden ist, aber wegen der daraus abzuleitenden Weiterungen, unterdrückt werden.

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