Gezielte Stromschläge gegen das Herzflimmern

Herzchirurgische Universitätsklinik Heidelberg setzt erstmals in Europa neuen, vielseitigen Defibrillator-Typ ein / Klinische Studie gestartet

Erstmals in Europa ist in der Abteilung für Herzchirurgie des Universitätsklinikums Heidelberg der neue Typ eines Defibrillators implantiert worden, der äusserst vielfältig bei Herzrhythmusstörungen einsetzbar ist und drahtlos programmiert werden kann. Die Heidelberger Klinik ist gemeinsam mit der Abteilung Kardiologie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg eines der weltweit 50 Zentren, die Sicherheit und Effektivität des Defibrillator-Modells Concerto der Firma Medtronic in einer klinischen Studie mit 430 Patienten testen. Experten erwarten, dass vor allem Patienten, die an einer schweren Herzmuskelschwäche mit verschiedenen Typen von Rhythmusstörungen leiden, von dem neuen Gerät profitieren.

Defibrillatoren unterbrechen durch einen Elektroschock kreisende elektrische Erregungen im Herzen. Ein derartiger Schock kann von Ärzte oder Rettungspersonal mit Hilfe eines Notfall-Defibrillatorgerätes durch Auflegen breitflächiger Elektroden auf die Brustwand des Patienten ausgelöst werden. Gefährdeten Patienten mit schwer behandelbaren Rhythmusstörungen wird die Miniaturausgabe eines Defibrillators implantiert, der die schweren Rhythmusstörungen erkennt und bei Bedarf den rettenden Stromstoss bereits kurz nach Beginn der Rhythmusstörung auslöst. Ohne ein derartiges Gerät droht der plötzliche Herztod.

Das knapp handtellergrosse Gerät wird unter dem Schlüsselbein eingesetzt. Seine drei Elektroden reichen zum rechten Vorhof und an beide Herzkammern. Je nach Bedarf können unterschiedliche Funktionen des Geräts drahtlos von aussen eingestellt werden: Der neue Defibrillator-Typ kann gleichzeitig die Funktion eines Schrittmachers übernehmen. Er gibt dabei regelmässige elektrische Impulse an den Herzmuskel ab, die die Pumpaktionen der Herzkammern wieder in Einklang bringen und dadurch deren Pumpleistung verbessern.

Grössere Sicherheit bei der Implantation / Keine Störung durch Handys

Falls erforderlich reagiert der Defibrillator auf gefährliche Rhythmusstörungen mit einem Stromschlag und stellt den normalen Herzrhythmus wieder her. In manchen Fällen betrifft das unkontrollierte Herzflimmern nur die Vorhöfe. Dieser Zustand ist zunächst nicht lebensbedrohlich, da die Herzkammern weiterhin kontrahieren und Blut durch den Körper pumpen – allerdings reduziert. Diese eingeschränkte Herzfunktion wird von vielen Patienten als deutliche Leistungsminderung wahrgenommen, zudem besteht bei Vorhofflimmern das Risiko der Bildung von Blutgerinnseln, die zu Herz- und Hirninfarkten führen können. Eine Therapieform des Vorhofflimmerns wird als Kardioversion bezeichnet und ist auch mit dem neuen Gerät möglich.

„Ein wesentlicher Vorteil des neuen Gerätes ist die sehr hohe Sicherheit des Patienten bei der Implantation, da kein zusätzliches Gerät zur Abfrage während der Operation in unmittelbarer Wundnähe benötigt wird „, erklärt Privatdozentin Dr. Brigitte Osswald, Oberärztin in der Herzchirurgischen Universitätsklinik Heidelberg. „Dadurch kann die Implantationszeit vermindert werden.“ Sie geht zudem davon aus, dass die Funktionsvielfalt des Gerätes für eine bessere Versorgung der wachsenden Zahl von Patienten führt, die an komplexen Herzerkrankungen leiden.

Einmal täglich misst das Gerät den Wassergehalt in der Lunge und stellt fest, ob sich bei einer Herzschwäche Wasser in der Lunge gesammelt hat. Dadurch kann eine Therapie frühzeitig begonnen werden. Weiterer Vorteil ist die zuverlässige kabellose Funkverbindung (Telemetrie): Über eine Reichweite von zwei bis fünf Metern kann der „Home Monitor“ des Patienten oder das Programmiergerät in der Klinik Daten abrufen und Einstellungen vornehmen. Gegen Störungen durch Mobiltelefone ist der Defibrillator geschützt.

Bei Rückfragen: 06221 / 56 6110 oder 6111 oder 6112 (Pforte Chirurgie)

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