Die Kochsalzlösung zwischen Tod und Leben

suspended animation – Rettung von Patienten durch Kältekonservierung

Der rasche Transport ins Krankenhaus ist für Opfer eines Herzstillstandes nach Schusswunden oder Herzinfarkten kritisch. Um ein Ankommen ohne weitere Hirnschäden zu gewährleisten, würde sich eine Methode, durch die zum Hirnschaden führende Prozesse einfach stillstehen, am besten eignen. Der Betroffene könnte dadurch sicher in das Krankenhaus gelangen, und erst nach der Versorgung der Stillstandsursache wieder belebt werden. Ein solches Verfahren mag utopisch klingen, jedoch arbeiten Forscher bereits daran, es in naher Zukunft in die Realität umzusetzen.

An der Methode der“suspended animation“ (ausgesetzte Wiederbelebung) arbeitet Wilhelm Behringer, Notfallmediziner am Allgemeinen Krankenhaus (AKH) in Wien http://www.akh-wien.ac.at, bereits seit 1998. Hintergrund dieses Verfahrens ist, eine Art Konservierung der Patienten beim Transport ins Krankenhaus zu gewährleisten. Wird z.B. ein Patient mit einer Schusswunde transportiert, so besteht die Gefahr, dass er im Krankenwagen verblutet, bevor er im Krankenhaus zur operativen Versorgung eintrifft. Wenn der Patient nun tatsächlich vor der lebensrettenden Operation am Transport verstirbt, soll „suspended animation“ angewandt werden. „Bei diesem Verfahren wird ein Organismus, wenn er verstirbt, auf zehn Grad Celsius, rasch binnen fünf Minuten gekühlt. Dies bewirkt eine kalte Kochsalzlösung, die in die Hauptschlagader gepumpt wird. Durch den Kältezustand wird der Körper konserviert. Es ist nun möglich einen sicheren Transport zu gewährleisten. Im Krankenhaus werden die Wunden operativ versorgt. Erst wenn die Wundversorgung abgeschlossen ist, wird der Körper wieder erwärmt, und mittels Herz-Lungenmaschine wieder belebt“, so Behringer im Gespräch mit pressetext.

Im AKH hat sich Behringer auf eine andere Art des Herzstillstands, ausgelöst durch Herzinfarkt, spezialisiert. In seinen Versuchen erzeugte er bei Schweinen, die sich unter Vollnarkose befanden, einen Herzstillstand. Durch Anwendung von „suspended animation“ gelang es, sogar nach 35 Minuten klinischen Todes die Tiere wieder ins Leben zu rufen. Es wurde ihnen die besagte kalte Kochsalzlösung injiziert, um innerhalb von Minuten eine Temperatur von 15°C zu erzielen. Etwaige neurologische Schäden wurden mit verschiedensten speziellen Tests untersucht. Es stellte sich heraus, dass sie keine Schäden erlitten hatten. In Zukunft sollen auch kognitive Tests, wie Lernfähigkeit bei Futtersuche, zur Evaluierung eingesetzt werden.

Die entscheidende Frage des Projektes ist, wann dieses Verfahren an Menschen angewandt wird. Bis jetzt gab es nur Versuche mit Tieren. In den USA wird „suspended animation“ bei Patienten, die am Transport ins Krankenhaus verbluten, wahrscheinlich in einem halben bis einem Jahr angewandt werden. „Das Verfahren wird genauso ablaufen, wie es bei den Tieren erfolgte. Unsere grosse Hoffnung ist natürlich, dass es hier auch zu keinen Folgeschäden kommen wird. Den Einsatz dieser Methode empfinde ich als gerechtfertigt, da es sich bei diesen Patienten meist um jüngere Menschen handelt, die noch voll im Leben stehen, und einen Transport ins Krankenhaus nicht überleben würden. Mit dieser neuen Methode hätten auch diese Patienten eine reale Chance, wieder in ein normales Leben zurückzukehren“, erklärte Behringer gegenüber pressetext. (Ende)

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