Gesundheit, Wellness, Medizin

– Mangel an spezialisierten Einrichtungen

Eine bessere Diagnostik und Früherkennung kann in Verbindung mit einer spezifischen Rehabilitation die Alltagsfähigkeiten sehbehinderter Menschen bessern. Vor der Rehabilitation waren in einer Studie an der Universitäts-Augenklinik nur 13 Prozent der Patienten lesefähig, nach der Reha 90 Prozent, berichten Experten auf der 104. Tagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft in Berlin.

In Deutschland sind etwa 500.000 Menschen sehbehindert. Diese Zahl wird aufgrund der demographischen Entwicklung steigen. „Fast die Hälfte aller neu erblindeten Menschen sind über 80 Jahre alt“, sagt Professor Susanne Trauzettel-Klosinski von der Universitäts-Augenklinik Tübingen. Etwa 15 Prozent der 65-74-Jährigen haben ein frühes Stadium der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD). In der Altersgruppe zwischen 75 und 84 Jahren ist jeder Vierte und bei den über 80-Jährigen ist nahezu ein Drittel (30 Prozent) von diesen ersten Veränderungen an der Netzhaut betroffen. Fünf Prozent der 75 bis 84-Jährigen und 13 Prozent der über 85-Jährigen haben eine AMD im Spätstadium.

Die Folgen für die Betroffenen sind erheblich: Lesestörungen führen zu einem Verlust geistiger Mobilität; Orientierungsprobleme sind ein Grund für Stürze und eine entsprechende Ängstlichkeit. Insgesamt kommt es zu einer Beeinträchtigung der Unabhängigkeit, Kommunikationfähigkeit und vor allem der Lebensqualität der betroffenen Patienten.

„Angesichts der demographischen Entwicklung müssen wir bei den Augenärzten und in der Gesellschaft das Bewusstsein für den steigenden Bedarf an Rehabilitationen verstärken“, fordert Trauzettel-Klosinski. Gleichzeitig sind die Potenziale der Rehabilitation hierzulande keineswegs ausgeschöpft.

Bessere Diagnostik. Eine verbesserte Diagnostik zur Erfassung von alltagsrelevanten Funktionen im Zuge einer Rehabilitation ist ein Beispiel, wo die Expertin Nachbesserung fordert. Beispielsweise ist die Sehschärfe das am meisten benutzte Mass zur Erfassung der Makulafunktion. Doch relevant für die wichtigste Alltagsfunktion, das Lesen, ist vor allem die Fähigkeit zur Wahrnehmung im so genannten parafovealen Bereich des Gesichtsfelds, das einem Sehwinkel bis 5 Grad entspricht.

Das Team um Susanne Trauzettel-Klosinski hat im Rahmen eines von der EU geförderten Forschungsprojektes eine neue standardisierte Testbatterie zur Erfassung der Makulafunktion entwickelt. Diese erlaubt einen Vergleich zwischen verschiedenen Sprachen und Zentren und ist deshalb in internationalen Studien einsetzbar. Trauzettel- Klosinski: „Die Untersuchung der parafovealen Kontrastempfindlichkeit ermöglicht es, Frühstadien der AMD frühzeitig zu erkennen und zu überwachen. Das ist wichtig für Therapiestudien.“ Das Testset ist einfach und kostengünstig. Es kann ohne grossen technischen Aufwand überall eingesetzt werden, in Kliniken, Praxen und – dies vor allem -, auch in ärmeren Ländern.

Sehhilfen. Für sehbehinderte Patienten steht eine Vielzahl von Sehhilfen zur Verfügung, optische und elektronische. Diese wirken vergrössernd, verstärken den Kontrast oder beleuchten Objekte. Das Spektrum reicht von Spezialbrillen über Lupen bis hin zu Fernrohren, elektronischen Vergrösserungsgeräten und Bildschirmlesegeräten.

In Sehbehindertenambulanzen können die Patienten den Umgang mit Sehhilfen trainieren und lernen darüber hinaus Kompensationsstrategien. Dazu gehören in der Sehbehindertenambulanz Tübingen beispielsweise ein Training, die Umgebung durch Augenbewegung besser zu scannen sowie ein spezielles Lesetraining. Ein Orientierungs- und Mobilitätstraining sowie Aufmerksamkeitstraining kommt hinzu.

Lesefähigkeit: Von 13 auf 90 Prozent. Was eine gute Rehabilitation zu leisten vermag, belegt eine Studie mit 763 Patienten an der Spezialambulanz für Sehbehinderte an der Universitäts-Augenklinik Tübingen: Vor der Rehabilitation waren nur 13 Prozent lesefähig, die Mehrzahl, 87 Prozent, war dazu nicht mehr in der Lage. Nach der Rehabilitation war dieses Verhältnis umgekehrt: Nun konnten 90 Prozent der Patienten lesen, und nur noch zehn Prozent waren beeinträchtigt.

Eine andere Auswertung der Forschergruppe von 4711 Patientenakten belegt, dass die AMD die häufigste Erkrankung ist, die Patienten in die Ambulanz führt. Oft genügen schon optische Hilfsmittel wie Lupenbrillen oder Lupen, um den Menschen zu helfen: Die Lesegeschwindigkeit verbesserte sich nach der Anpassung vergrössernder Hilfsmittel im Durchschnitt um das zweifache“, lautet das Fazit.

Die Rehabilitationsmöglichkeiten sind sehr gut, „doch es fehlt an einer flächendeckenden Versorgung“, kritisiert Susanne Trauzettel- Klosinski. Die Universitätskliniken von Heidelberg, München und Tübingen haben grössere Spezialambulanzen, an anderen Kliniken gibt es kleinere Einrichtungen, und in den augenärztlichen Praxen wird eine Hilfsmittelversorgung teilweise angeboten. Insgesamt besteht jedoch eine Unterversorgung bei steigendem Bedarf.


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