Das Darmhormon PPY ist zur Behandlung von Uebergewicht nicht geeignet, weil unwirksam

Im Jahr 2002 erregte das koerpereigene Hormon PPY, das im Darm von Tieren und Menschen freigesetzt wird, erhebliche Aufmerksamkeit, da es angeblich den Appetit und das Koerpergewicht bei Nagern verringerte.(Nature [2002 ] 418 650-654). Die Substanz wurde in der Folgezeit von verschiedenen Firmen hergestellt. Jetzt sprechen Wissenschaftler aus 15 Forschungseinrichtungen, zu denen auch die Charite gehoert, dem Hormon die 2002 behauptete Wirkung als Saettigungsfaktor ab und halten es als potentielles Mittel fuer eine breite Anwendung zur Behandlung der Fettsucht fuer ungeeignet. Die Anstrengungen der Wissenschaft und der Pharmaindustrie, ein wirksames Mittel gegen Uebergewicht und Fettsucht (Adipositas) zu finden, sind hoch. Nicht nur, weil die Fettsucht bereits als Volksseuche in weiten Teilen der industrialisierten Welt ein grosses Gesundheitsproblem ist mit erheblichen und steigenden finanziellen Belastungen, sondern auch, weil ein wirksames und gut vertraegliches Mittel grosse finanzielle Gewinne fuer die Produzenten bedeuten wuerde.

Nach 2002 versuchten andere Wissenschaftler, die ersten aufsehenerregenden Untersuchungen mit dem Darmhormon zu bestaetigen. Es gelang nicht. Normalerweise versiegt das Interesse der Wissenschaft in solchen Faellen. Hier indessen kam es zur Kooperation von insgesamt 15 Forschungseinrichtungen aus Pharmaindustrie und Universitaeten, wozu auch das „Center fuer Cardiovascular Research“ am „Institut fuer Pharmakologie und Toxikologie “ der Charite gehoert. Dessen Mitarbeiterin Dr. Christa Thoene-Reineke konnte am heutigen Donnerstag im renommierten Fachjournal „Nature“ zusammen mit den anderen Autoren die Ergebnisse der gemeinsamen Kontrolluntersuchungen publizieren (Nature, 8Th July 2004). Ratten und Maeuse aus acht unterschiedlichen Staemmen wurden mit dem Darmhormon nach gleichem und erweitertem Schema wie im Jahre 2002 behandelt. In 37 von 39 Tests verringerte sich unter der Behandlung weder der Appetit der Tiere noch ihr Koerpergewicht. Ausserdem beobachteten die Wissenschaftler, dass die Tiere inaktiver wurden: weniger schnueffelten und sich seltener aufrichteten als unbehandelte, sie zeigten also ein Verhalten, das langfristig zur Einlagerung von Fett fuehren wuerde. In zwei Tests mit hoeherer Hormongabe (per Infusion) kam es zwar zur Verringerung der Nahrungsaufnahme, aber nur voruebergehend und ohne Auswirkungen auf das Koerpergewicht. Erweiterte Tests mit hohen Konzentrationen fuehrten sogar zur Erhoehung der Nahrungsaufnahme der Tiere und zur Verzoegerung ihrer Darmentleerung. (8.7.04) S.Sch.Dr. med. Silvia Schattenfroh Charite-Universitaetsmedizin Berlin Pressereferat Forschung und Lehre Schumannstr. 20/21 10 117 Berlin e-mail: silvia.schattenfroh@charite.de FON: (030) 450-570 400 FAX: (030) 450-570 940

Weitere Infos finden Sie hier …

Teilen Sie das auf:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.