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Nahezu alle MR-Untersuchungen wären betroffen

Vertreter der European Society of Radiology (ESR) http://www.esr-online.org/ forderten am 9.3.2007 auf dem „European Congress of Radiology 2007“ in Wien eine Ausnahmeregelung für den Einsatz der Magnetresonanz-Tomografie von einer für 2008 geplanten EU-Richtlinie. In ihrer bisherigen Form gefährde die Vorschrift eine geeignete Behandlung von Patienten, da sie die Betreuung durch das medizinische Personal stark einschränke. „Die Regelung wird den Einsatz der Magnetresonanz-Tomografie stark reduzieren – zum grossen Nachteil der Patienten“, sagte Gabriel Krestin, Vorsitzender des Forschungskomitees der ESR, gegenüber pressetext. Nahezu alle der jährlich etwa acht Mio. MR-Untersuchungen in der EU wären von der Richtlinie betroffen.

Mit der im Jahr 2004 beschlossenen Richtlinie über physikalische Einwirkungen elektromagnetischer Felder will die EU Arbeitnehmer vor den gesundheitlichen Gefahren elektromagnetischer Felder schützen. Betroffen von dieser Regelung ist auch das medizinische Personal bei der Magnetresonanz-Tomografie. Mit dieser Technologie lassen sich die inneren Organe detailliert darstellen und ermöglichen somit Diagnose und Therapie von Krankheiten. Die EU-Richtlinie legt Grenzwerte für die Exposition des Personals gegenüber elektromagnetischen Feldern fest.

„Diese Grenzwerte gefährden aber die Möglichkeit, vielen Patienten zu einer Diagnose und Behandlung zu verhelfen, insbesondere schwächeren oder ängstlichen Menschen“, sagte Krestin. „Krankenpflegern und anderem medizinischen Personal wird es etwa nicht mehr möglich sein, Kinder während der MR-Untersuchungen zu beruhigen.“ Stattdessen müssten Röntgenuntersuchungen durchgeführt werden. Eine Entscheidung, welche die Anwendung der MR-Tomografie stark einschränke, müsse deshalb auf fundierten wissenschaftlichen Daten basieren. „Solche Daten existieren allerdings nicht“, sagte Krestin. Die Magnetresonanz-Tomografie werde bereits seit über 25 Jahren angewandt, ohne dass es einen Beweis für gesundheitliche Schäden gäbe. Eine unabhängige Expertengruppe soll nun die Auswirkungen der Richtlinien auf die klinische Anwendung untersuchen. Die Ergebnisse sollen im Herbst vorliegen – möglicherweise zu spät, um die Richtlinie noch zu stoppen, die zum 1. April 2008 in nationales Recht umgesetzt worden sein muss. „Wir empfehlen deshalb dringend, die Umsetzung um mindestens ein Jahr zu verschieben, um die wissenschaftlichen Untersuchungen abschliessen und bewerten zu können“, sagt Krestin. Erste Zwischenergebnisse liessen vermuten, dass nahezu alle der jährlich etwa acht Mio. MR-Untersuchungen in der EU von der Richtlinie betroffen wären. „Die Magnetresonanztomografie muss deshalb von der EU-Richtlinie ausgenommen werden.“

Auf dem 13. European Congress of Radiology diskutieren bis zum 13. März mehr als 16.000 Teilnehmer aus 92 Staaten über neue wissenschaftliche Entwicklungen der Radiologie. Im Mittelpunkt der Tagung stehen unter anderem geschlechtsspezifische Unterschiede in Diagnostik und Therapie. „Unter dem Schlagwort Women’s Imaging entwickelt sich immer stärker eine eigene Spezialisierung in der Bildgebung“, sagt Kongress-Präsident Christian Herold gegenüber pressetext. „Die verschiedenen Verfahren bringen neue, innovative Ansätze für die Bedürfnis-gerechte Versorgung von Frauen.“ Ein weiterer Themenschwerpunkt liegt bei der Untersuchung von Kindern. „Ein Kind trifft bei der Untersuchung auf fremde Menschen in einer fremden Umgebung. Es sieht sich riesigen Apparaten gegenüber, die Angst auslösen können,“ sagt Herold. „Die Kinder müssen also zuerst beruhigt und mit dem Gerät behutsam vertraut gemacht werden.“



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