Gesundheit, Wellness, Medizin

Hyperhidrose, lateinisch Hyperhidrosis, beschreibt eine lokale (örtliche, umgrenzte Körperregionen betreffende) oder generalisierte (den gesamten Körper betreffende) Steigerung der Schweisssekretion mit Krankheitswert.
Die Lokalisation ist sehr verschieden, jede Zone des Körpers kann betroffen sein. Am häufigsten und schwersten betroffen sind Hand (Hyperhidrosis manuum) und Achselhöhle (Hyperhidrosis axillaris), ferner Kopf und Hals (Hyperhidrosis facialis), Rumpf (trunkale Hyperhidrosis) und Füsse (Hyperhidrosis peduum). Die Behandlung der Hyperhidrose muss sich am Ausprägungsmuster orientieren.

Primäre Hyperhidrose: Die genaue Ursache dieser Störung ist nicht bekannt. Es handelt sich somit um eine sog. Ausschlussdiagnose bei einem sonst gesunden Patienten. Betroffene leiden meist ab der Pubertät unter vermehrtem Schwitzen. Auslöser sind neben erhöhter Umgebungstemperatur insbesondere Nervosität, Stress und geringfügige körperliche Anstrengung.

Sekundäre Hyperhidrose: Hier ist die vermehrte Schweissproduktion ursächlich durch eine andere Erkrankung bedingt:

* endokrine Hyperhidrose bei Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion), bei Phäochromozytom (seltener u.a. adrenalinproduzierender Tumor), im Klimakterium (Wechseljahre), andere seltene Hormonstörungen
* neurologische Hyperhidrose bei Schädigung des Sympathikus oder Irritation durch z.B. eine Halsrippe, Halsmarkerkrankung evtl. mit Hornersyndrom, Querschnitt-Symptomatik, nach Unfallverletzungen von Nerven
* psychisch bedingte Hyperhidrose bei manifesten psychischen oder psychiatrischen Leiden
* medikamentös bedingte Hyperhidrose bei Einnahme von Hormonen, Parasympathomimetika, Kortikoiden, Salicylsäure u.a.

Die Behandlung einer sekundären Hyperhidrose bedeutet in erster Linie eine Behandlung der Grundkrankheit. Beispielsweise bei einer Schilddrüsenüberfunktion mit dadurch bedingtem vermehrten Schwitzen, ist eine eingehende Diagnostik und Behandlung der Schilddrüse erforderlich.  Bitte sprechen Sie hierüber mit Ihrem Hausarzt.

Bei der Therapie der primären Hyperhidrose werden konservative (nicht operative) und chirurgische (operative) Verfahren unterschieden.

konservative Behandlung

Antitranspirantien: Substanzen die lokal aufgetragen werden und durch Verschliessen der Drüsenausführungsgänge die Schweissbildung unterdrücken. Die bekannteste Substanz ist Aluminiumchlorid. Da die verfügbaren Fertigprodukte diesen Wirkstoff in nur geringen Dosierungen enthalten, ist zu empfehlen, sich gegebenenfalls in einer Apotheke eine höherprozentige Aluminiumchloridlösung herstellen zu lassen. Ein Nachteil dieser Substanz ist, dass sie hautreizend wirkt und nach dem Auftragen häufig Brennen und Jucken auftritt. Je nach Körperstelle empfehlen sich unter Umständen unterschiedliche Konzentrationen, die optimale Dosierung muss dann ermittelt werden. Einen guten Kompromiss stellt eine 20%ige Lösung dar. Als Hauptpflegemittel kann etwas Glyzerin zugegeben werden.
Rezeptur: Aluminiumchlorid-Hexahydrat 20%  +  Glyzerin 2%  ad 100 mit 70%igem Alkohol.
Anwendungshinweis: abends vor dem Zubettgehen dünn auftragen (nicht viel hilft viel !). Da die Substanz Textilien verderben kann, sollte ein altes Hemd getragen werden. Am Morgen normal waschen/duschen und die Haut mit einer Creme pflegen. Für zwei Wochen täglich anwenden, dann auf 2-3 mal/Woche umstellen. Auch höhere Wirkstoffkonzentrationen können nötig sein, die Hautreizung verstärkt sich aber mit der Dosiserhöhung. Um über Erfolg oder Misserfolg urteilen zu können, muss für mindestens 2 Monate konsequent behandelt werden. Im Falle über längere Zeit nachlassender Wirkung, sollte ein anwendungsfreies Intervall angestrebt werden bis das Schwitzen wieder stärker auftritt, und dann mit der Behandlung wieder begonnen werden

Iontophorese: auch Ionophorese genannt. Diese Gleichstromanwendung, häufig als Bäder ausgeführt, führt zur Verminderung der Schweissdrüsenaktivität. Der genaue Wirkmechanismus ist unbekannt. Da bei dieser Behandlung die Ausrüstung mit einem Iontophoresegerät, Wannen etc. benötigt wird, kann sie zu Beginn nur sinnvoll in einer Arztpraxis durchgeführt werden. In der Regel empfiehlt sich anfangs eine 2mal wöchentliche Behandlung für 20-30 Minuten, später eine Ausdehnung der Behandlungsintervalle. Die Iontophorese ist zur Behandlung von Hand-, Achsel- und Fussschweiss geeignet. Um über Erfolg oder Misserfolg urteilen zu können, muss auch die Iontophorese mindestens 2 Monate konsequent durchgeführt werden. Bei Erfolg übernehmen die Krankenkassen in der Regel die Anschaffungskosten einer eigenen Ausrüstung für die Heimanwendung.

Botulinumtoxin: Mittels vieler Einspritzungen des Botulinum-Giftes unter die Haut (subepidermale Botulinumtoxin-Injektionen) soll die Nervenleitung blockiert werden. Diese sehr elegante Methode wird in den letzen Jahren häufiger angewendet und es liegen gute Erfahrungsberichte vor. Vorteile: ein definiertes Hautareal kann „ausgeschaltet“ werden; es ist keine Operation nötig. Nachteile: die Wirkung ist zeitlich begrenzt auf 3 bis 9 Monate (die Behandlung muss dann ggf. wiederholt werden); der Wirkstoff ist teuer; die Substanz hat noch keine Zulassung für die Behandlung der Hyperhidrose und folglich muss die Behandlung (man spricht hier von „Behandlungsversuch“) von den Krankenkassen nicht übernommen werden.
 

Operative Behandlung

Lokale Schweissdrüsenexzision (in der Achsel): über einen oder mehrere Schnitte wird ein Hautareal mitsamt den Schweissdrüsen herausgeschnitten. Hauptproblem sind hier häufiger auftretende Wundheilungsstörungen und grosse sichtbare Narben. Die Entfernung des gesamten schwitzenden Areals ist meist nicht möglich, da die Wunde sonst nicht mehr zugenäht werden könnte.

Subkutane Schweissdrüsenkürettage (in der Achsel): über kleine Hautschnittzugänge wird die Haut unterminiert und von der Unterlage abgehoben. Die Hautunterseite wird ausgeschabt. Bei dieser Technik werden weniger die in der Haut sitzenden Schweissdrüsen entfernt, als vielmehr die zu ihnen führenden Nervenausläufer durchtrennt. Der Eingriff ist wenig belastend, da in örtlicher Betäubung durchführbar, bietet jedoch selten völlige Trockenheit. Ferner besteht eine höhere Rückfallprognose.

Subkutane Schweissdrüsensaugkürettage (in der Achsel): eine Variante der Schweissdrüsenkürettage, bei der, ähnlich der Fettabsaugung, Unterhautfettgewebe über kleine Hautschnittzugänge abgesaugt wird. Auch hierbei werden insbesondere die Nerven zu den Schweissdrüsen im Unterhautfettgewebe durchtrennt. Auch können, ggf. zusätzlich, die Schweissdrüsen „ausgeschabt“ werden. Auch dieser Eingriff ist in örtlicher Betäubung durchführbar, bietet jedoch ebenfalls selten völlige Trockenheit. Eine erhöhte Rückfallprognose besteht auch hier.

Offene Sympathektomie: im Rahmen eines grossen chirurgischen Eingriffes werden über einen eröffnenden Schnitt im Brustraum oder im Bauchraum die „Schweissnerven“ aufgesucht und durchtrennt. Aufgrund der grossen Operationsverletzung und der heute zur Verfügung stehenden minimal-invasiv chirurgischen Techniken wird diese Methode kaum noch angewandt. Die Manipulation der Nerven im Bauchraum zur Behandlung des Fussschweisses ist ohnehin obsolet, da nach dem Eingriff Verwachsungen, Durchfälle und Potenzstörungen auftreten können.

Minimal invasive Sympathektomie: in minimal invasiver, sog. „Schlüssellochtechnik“, erfolgt mit Hilfe eines Endoskopes im Rahmen einer Spiegelung der Brusthöhle (Thorakoskopie) die Darstellung und elektrische Blockade (mittels Durchtrennung, Clip-Schnürung und/oder Teilentfernung) der „Schweissnerven“. Dieser Eingriff wird auch als endoskopische transthorakale Sympathektomie (ETS) oder endoskopische Sympathikusblockade (ESB) bezeichnet.
 

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