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Der menschliche Körper kann das Schmerzmittel Salicylsäure, ein Abbauprodukt des Aspirin-Wirkstoffs Acetylsalicylsäure, möglicherweise selbst herstellen. Darauf deuten zumindest einige vorläufige Studien schottischer Forscher hin. Sollte sich diese Annahme bestätigen, könnte die Salicylsäure der erste bekannte Vertreter einer völlig neuen Gruppe von körpereigenen Wirkstoffen sein, die unter anderem an der Steuerung von Entzündungsprozessen oder auch an der Tumorentstehung beteiligt sind.

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Schon Ende der 1990er-Jahre hatten die Wissenschaftler im Blutserum und im Urin von Freiwilligen Spuren von Salicylsäure entdeckt. Diese Substanz entsteht im Körper nach der Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) durch Abspaltung einer chemischen Gruppe, ist jedoch auch in Gemüse und anderen pflanzlichen Nahrungsmitteln enthalten. Die Forscher vermuteten damals, die Salicylsäure stamme tatsächlich in erster Linie aus der Nahrung, da sie bei Vegetariern größere Mengen fanden als bei Nicht-Vegetariern und die Probanden zuvor kein ASS eingenommen hatten. Später stellte sich allerdings heraus, dass von der mit der Nahrung aufgenommenen Salicylsäure lediglich zwanzig Prozent oder sogar weniger vom Körper aufgenommen werden, eine Rate, die die vergleichsweise großen Mengen in Blut und Urin nicht erklären konnten.

Auf der Suche nach einer anderen Quelle stießen die Forscher schließlich auf die Benzoesäure: Diese Substanz ist auch in Pflanzen einer der Ausgangstoffe für die Salicylsäureherstellung und wird in Form ihres Natriumsalzes häufig als Konservierungsmittel eingesetzt. Doch auch hier bestätigte sich der Verdacht der Wissenschaftler nicht, zeigten Tests mit fastenden oder auf eine spezielle Diät gesetzten Freiwilligen: Zwar wandelt der Körper tatsächlich einen Teil der Benzoesäure in Salicylsäure um, jedoch wiederum nicht genug, um die Salicylsäurekonzentrationen in Blut und Urin verursachen zu können. Zudem fanden die Forscher auch im Blut der verschiedenartigsten Zootiere – unter anderem Eulen, Nashörnern, Elefanten, Pythons, Kaninchen, Alligatoren, Forellen und Schafen – ebenfalls Salicylsäure in messbaren Mengen.

All dies, formulieren die Wissenschaftler vorsichtig, seien starke Hinweise darauf, dass nicht nur pflanzliche, sondern auch menschliche und tierische Organismen in der Lage seien, selbst Salicylsäure zu produzieren. Da die Substanz bei Pflanzen dem Abwehren von Feinden diene, erscheine auch bei Tieren eine Rolle in der Körperabwehr nicht unwahrscheinlich. Dieser Zusammenhang müsse dringend genauer untersucht werden, da der Wirkstoff möglicherweise bislang unbekannte Schlüsselfunktionen haben könnte. Salicylsäure wurde früher selbst als Schmerzmittel und Entzündungshemmer eingesetzt, jedoch später durch die besser verträgliche Acetylsalicylsäure ersetzt. Heute beschränkt sich ihr Einsatz vor allem auf die Behandlung von Hauterkrankungen.

Gwendoline Baxter (Dumfries and Galloway Royal Infirmary) et al.: Journal of Agricultural and Food Chemistry, Bd. 56, S. 11648


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