Gesundheit, Wellness, Medizin

Weinen kann in schwierigen Situationen sowohl zu einer Besserung des Gemütszustands führen als auch zu dessen Verschlimmerung. Wie sich Weinen auswirkt, hängt auch von äußeren Umständen ab, zeigten Psychologen der niederländischen Universität Tilburg http://www.tilburguniversity.nl. Ihre Analyse von 3.000 Weinsituationen außerhalb des Labors, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Current Directions in Psychological Science“ veröffentlicht wurden, zeigt eher positive langfristige Folgen des Weinens. Äußere Umstände wie die Unterstützung einer anwesenden Person oder die Persönlichkeit des Weinenden sind demnach wichtige Kriterien.

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Weinen führt laut Studie in den meisten Fällen zu einer Besserung des Gemütszustands. Bei jedem Dritten stellte sich dieser Effekt jedoch nicht ein, jeder Zehnte fühlte sich nachher sogar schlechter als zuvor. Als positiv empfanden die befragten Personen, wenn sie beim Weinen nicht alleine waren, sondern von jemandem Unterstützung erfuhren. Problematisch war das Weinen hingegen bei Menschen, die an Angst- und Verwirrungszuständen leiden, sowie bei „gefühlsblinden“ Menschen. Darunter werden Menschen verstanden, die eigene Gefühle kaum wahrnehmen und beschreiben können. Die Studienautoren vermuten, dass bei diesen Menschen der Mangel an Selbsterkenntnis die kognitive Umwandlung einer traurigen in eine positive Erfahrung verhindert.

Die Wiener Psychotherapeutin Sonja Kinigadner beschreibt im pressetext-Interview zwei grundsätzlich verschiedene Formen des Weinens. „Wohltuendes Weinen schafft Lösung, ermöglicht Abschied sowie Loslassen und ist Teil der Trauer. Ganz anders ist hingegen das ohnmächtige in sich hinein Schluchzen, das Gefühle wie Wut, Verzweiflung und Zorn ersetzen soll. Dieses kraftlose, depressive Weinen gibt kaum Aussicht auf Veränderung.“ Die beste Unterstützung eines Anwesenden sei in diesem Fall, feinfühlig dem Weinen Platz zu geben. „Wer trösten möchte, soll nicht das Gefühl geben, dass gleich etwas verändert werden muss. Einfach dabei zu sein, zu verstehen und Zustimmung zu zeigen hinterlässt das Gefühl, dass das Weinen ankommt.“ Wird das Weinen zum Dauerzustand und überschreitet es das Ausmaß der Belastung oder Trauer, sei es ratsam, professionelle therapeutische Hilfe zu suchen, so Kinigadner.

Die Erforschung des Weinens bedeutet hohe methodische Herausforderungen. Die niederländischen Psychologen wählten die Beobachtung außerhalb des Labors, um Scham und andere negative Gefühle zu reduzieren, die Beobachtung und Videoaufnahme bei zum Weinen gebrachten freiwilligen Testpersonen bewirken. Solche früheren Laborexperimente konnten jedoch die körperlichen Folgen des Weinens zeigen. Weinen verursacht zunächst unangenehme Erregungen, hohen Puls und Schwitzen, später setzen jedoch beruhigende Mechanismen ein wie die langsame Atmung. Diese positiven Effekte wirken länger als die anfängliche Anspannung, weshalb bei der Mehrheit der Betroffenen das Weinen in guter Erinnerung bleibt.


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