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Das Hormon, das aus dem Knochen kam
Knochen können ihr eigenes Östrogen produzieren. Darauf deutet eine Laborstudie amerikanischer Forscher hin, nach deren Ergebnissen knochenbildende Zellen eine Substanz absondern, die ähnliche Eigenschaften besitzt wie das weibliche Geschlechtshormon Estradiol. Ansonsten wissen die Forscher bisher jedoch wenig über den noch namenslosen Stoff. Sollte sich allerdings bestätigen, dass er nicht nur im Labor, sondern auch im Körper selbst gebildet wird, könnte er eine attraktive Alternative für die Osteoporosevorbeugung sein, schreiben Thomas McCarthy und sein Team von der Yale-Universität. Die bisherigen Daten legten nämlich nahe, dass die Substanz den Knochen stärkt, jedoch weniger Nebenwirkungen hat als eine Hormonersatztherapie.

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Wenn in den Wechseljahren die Östrogenproduktion im Körper zurückgeht, verändert sich der Stoffwechsel des Knochens: Der Aufbau der Knochensubstanz durch die knochenbildenden Zellen, die Zahl der Osteoblasten, verringert sich, während sich gleichzeitig der Knochenabbau verstärkt. Die Folge ist eine Schwächung der Knochenstruktur, die zu Osteoporose und damit einer Anfälligkeit für Brüche führen kann. Vorgebeugt werden kann diesen Problemen mit Hilfe einer Hormonersatztherapie, bei der entweder nur Östrogen oder eine Kombination aus Östrogen und Gestagen verabreicht werden. Da diese Hormone jedoch nicht nur die Knochen, sondern auch diverse andere Organe beeinflussen, können sie zu unerwünschten Wirkungen führen “ darunter ein erhöhtes Brustkrebsrisiko und ein Anstieg der Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die nun von den Forschern entdeckte Substanz scheint stärker auf den Knochen spezialisiert zu sein: Sie löse zwar viele, aber nicht alle der biochemischen Vorgänge aus, die das Estradiol kennzeichnen, schreibt das McCarthy und sein Team. Gefunden hatten sie die hormonähnliche Verbindung eher zufällig, als sie Osteoblasten von jungen Ratten im Labor beim Übergang von einem unspezialisierten in einen spezialisierten Zustand beobachteten. Eigentlich wollten sie dabei untersuchen, ob die Menge eines Östrogenrezeptors während dieser Verwandlung anstieg. Obwohl das nicht der Fall gewesen sei, erhöhte sich plötzlich überraschend die Aktivität dieser Detektormoleküle “ so, als sei Estradiol hinzugefügt worden. Eine genauere Analyse zeigte, dass dieser Anstieg auf ein von den Knochenzellen selbst gebildetes Pendant des Hormons zurückgeführt werden konnte.

Das gleiche Phänomen konnten die Forscher auch in kultivierten menschlichen Zellen nachweisen. Wie genau die Struktur des Stoffes aussieht und welche Funktion er im Körper hat, wissen sie jedoch noch nicht. Sie vermuten allerdings, dass Schwankungen in der Produktion der Substanz die Ursache für Probleme mit der Knochenstabilität bei verschiedenen Stoffwechselerkrankungen könnten.

Thomas McCarthy (Yale-Universität) et al.: PNAS, Bd. 105, S. 7022



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