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Ein erhöhter Blutdruck bedroht nicht nur Herz und Kreislauf, sondern kann auch die Entwicklung einer Demenz fördern. Laut neuen Studien wirken blutdrucksenkende Medikamente deshalb auch gegen den Verlust kognitiver Fähigkeiten.

Ein Lächeln liegt auf seinem Gesicht, als Rolf Erni im Rollstuhl durch den Park geschoben wird. Er scheint die warme Wintersonne auf seiner Haut zu geniessen. Erni kennt weder den Namen des Pflegers, der ihn schiebt, noch weiss er, welcher Wochentag gerade ist. Der 82-Jährige ist dement.

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Vor etwa sechs Jahren war Rolf Erni noch kerngesund. Er hatte zwar einen erhöhten Blutdruck, doch fühlte er sich dadurch nicht beeinträchtigt und nahm deshalb auch keine Medikamente dagegen.
Bluthochdruck zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – von einem Herzinfarkt oder Hirnschlag blieb Erni verschont. Doch der erhöhte Druck, mit dem das Blut durch seine Hirngefässe floss, schädigte Ernis Gehirn über die letzten Jahre unwiderruflich.

Mini-Hirnschläge lassen Hirnregionen absterben
Auch in den Hirnarterien können diese arteriosklerotischen Veränderungen auftreten. Sie behindern den Blutfluss und führen manchmal gar zum Verschluss eines oder mehrerer kleiner Hirngefässe. Mini-Hirnschläge – auch Streifungen genannt – können die Folge sein, die kleinste Hirnregionen lahm legen und absterben lassen, ohne dass es der Betroffene selbst bemerkt. Die längerfristige Folge ist eine verminderte kognitive Leistung des Gehirns (Wahrnehmungs-, Lern-, Denk- und Erkennungsfähigkeit) – bis hin zur Demenz, von der rund ein Fünftel der Bevölkerung über 80 Jahren betroffen ist.

„Heute wissen wir mit Sicherheit, dass Bluthochdruck ein Mitverursacher der Demenz ist“, sagt Prof. Dr. med. Bernhard Waeber, Hypertonie-Spezialist am Universitätsspital Lausanne. Lange standen die Wissenschafter jedoch vor einem Rätsel, als sie den Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und Demenz zu erforschen begannen, denn sowohl bei einem erhöhten als auch bei einem sehr tiefen Blutdruck stellten sie einen Zusammenhang mit der Demenz fest. Studien, die dem Krankheitsverlauf folgten, brachten Klarheit. Während der Blutdruck bis zum Eintritt der Demenz tatsächlich stark erhöht ist, sinkt er im weiteren Krankheitsverlauf plötzlich stark ab. „Vermutlich stören die Verletzungen in der weissen Gehirnsubstanz auch die dortigen Blutdruckregulatoren, was schlussendlich zu einem Unterdruck führt“, erklärt Waeber das Phänomen.
Der Zusammenhang zwischen einem erhöhten Blutdruck und Demenz rückt die Diag­nose Bluthochdruck in ein neues Licht. Zusammen mit anderen Herz-Kreislauf-Risiko­faktoren bedroht er nicht nur das Herz-Kreislauf-System, sondern auch die Erinnerung, das Lernen und weitere kognitive Fähigkeiten. Von Bluthochdruck sind zwei Drittel der Bevölkerung in ihren Sechzigern betroffen. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung wird es immer mehr demente Menschen geben.
Blutdruckmedikamente senken das Demenz-Risiko Die brennende Frage für Fachleute wie Waeber lautet deshalb: Können Blutdruckmedi­kamente neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch einer Demenz vorbeugen? In einer Studienübersicht, die im Swiss Medical Forum publiziert wurde, fasst Waeber die bishe­rigen Kenntnisse zusammen. Während Studien von kurzer Zeitdauer keinen Zusam­menhang vermuten lassen, zeigen mehrjährige Studien jedoch deutlich, dass mit Medi­kamenten behandelte Bluthochdruckpatienten ein durchschnittlich 13 Prozent niedrige­res Risiko für eine Demenz aufweisen. Eine Studie, in der die Teilnehmer während zwölf Jahren Blutdrucksenker eingenommen hatten, ermittelte sogar ein um 60 Prozent tiefe­res Risiko für eine Demenz gegenüber unbehandelten Bluthochdruckpatienten. Ihr Risiko war damit gleich hoch wie bei Personen ohne Bluthochdruck.
„Welches Blutdruck-Medikament die beste Demenz-Abwehr bietet, wissen wir momen­tan noch nicht“, sagt Waeber. Vermutlich führten die Liste aber die so genannten Kal­zium-Antagonisten und die Renin-Angiotensin-Blocker an, gefolgt von den Diuretika und den Betablockern. Mit grosser Wahrscheinlichkeit spiele das Ausmass der Blutdruck­senkung jedoch eine grössere Rolle als die Wahl des Medikaments, das die Senkung bewirke.
Was ist eine Demenz?
„Demenz“ ist die generelle Bezeichnung für Erkrankungen des Gehirns, die mit einem Verlust des Erinnerungsvermögens und anderen kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten einhergehen. Etwa die Hälfte aller Demenz-Formen gehört der Alzheimer-Krankheit an, bei der sich krankhaft veränderte Eiweisse im Gehirn ablagern und Hirn­zellen absterben. Ebenfalls häufig ist die vaskuläre Demenz, die ein Fünftel aller Demenz-Erkrankungen ausmacht. Dabei führt eine Minderdurchblutung des Gehirns über mehrere Schritte zum Absterben von Hirnzellen. Oft liegen Mischformen vor. Die Ursachen einer Demenz sind noch nicht genau geklärt. Zu den wichtigsten Risikofakto­ren zählen das Alter, die Genetik sowie andere Herz-Kreislauf-Risikofaktoren. Quelle: Schweizer Alzheimervereinigung, www.alz.ch
Kontaktperson Schweizerische Herzstiftung: Dr. phil. Caroline Hobi Bereichsleiterin Aufklärung/Prävention Schwarztorstrasse 18 Postfach 368, 3000 Bern 14 Telefon 031 388 80 96 Fax 031 388 80 88 hobi@swissheart.ch
www.swissheart.ch
Medizinischer Kontakt: Prof. Bernard Waeber CHUV Division de Physiopathologie clinique MP 14/204 1011
bernard.waeber@chuv.ch

Lausanne Telefon 021 314 07 60 Fax 021 314 25 18


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