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Hoffnung durch neue Therapien

„Ich habe mich in meine vier Wände zurückgezogen, weil ich es nicht aushalte, wegen meiner weissen Flecken ständig angestarrt zu werden“. Mit diesen Worten suchen oft Patienten, die an Vitiligo leiden, Hilfe. Vitiligo, auch Weissfleckenkrankheit genannt, ist weder eine ansteckende noch eine bedrohliche Erkrankung, doch aus kosmetischer Sicht eine bedeutsame Hauterkrankung und für den einzelnen Menschen meistens psychisch sehr belastend.

Die Erkrankung Vitiligo wurde erstmals vor ca. 3500 Jahren beschrieben und kommt relativ häufig vor (0,5 – 4 % der Bevölkerung – das sind allein in Österreich bis zu 160.000 Menschen). Das heisst, in einer mit 100 Personen besetzten U-Bahn fahren, werden bis zu 4 Menschen mit Vitiligo mitfahren. „Die Betroffenen, Männer und Frauen gleich häufig, entwickeln im Laufe ihres Lebens (meistens im Alter von 10 bis 30 Jahren) charakteristische weisse, scharf begrenzte Flecken, oft symmetrisch an den Handrücken und im Gesicht, die mit unterschiedlicher Geschwindigkeit fortschreiten. Man unterscheidet Formen mit nur einigen weissen Flecken bis hin zur vollständigen, generalisierten Depigmentierung, bei der die gesamte Haut betroffen ist“, so OA Dr. Paul-G. Sator, Dermatologe im Wiener Krankenhaus Lainz.

Die weissen Flecken entstehen durch eine Zerstörung der Hautfarbstoff bildenden Zellen (Melanozyten). Bis heute ist die Ursache allerdings nicht völlig klar. Man findet bei ca. 30 % ein gehäuftes familiäres Auftreten. Weiters zeigen sich Zusammenhänge mit psychischer Belastung, intensiver Sonnenbestrahlung, Verletzungen der Haut sowie auch im Zuge einer Hormonumstellung (z.B. Schwangerschaft, Pubertät).

Drei Hypothesen werden diskutiert: Autoimmunhypothese, bei der körpereigene Substanzen die Pigmentzellen zerstören. Autoaggressionshypothese, bei der ein Ungleichgewicht von bestimmten Enzymen in den Pigmentzellen und toxische Produkte zur Zerstörung der pigmentbildenden Zellen führen. Neurogene Hypothese, bei der ein Stoff von den Hautnerven die Melanozyten zerstört. Dies könnte die Wirkung von Stress auf die Erkrankung erklären. „Derzeit wird die Autoimmunhypothese favorisiert, bedingt durch die häufige Assoziation mit anderen Autoimmunerkrankungen (z.B.: der Schilddrüse, besondere Formen der Blutarmut, Zuckerkrankheit, Nebennierenfunktionsstörungen oder Nebenschilddrüsenunterfunktionen) und die Wirksamkeit immunmodulatorischer Therapien. In den weissen Flecken entwickeln die Patienten leicht Sonnenbrände, paradoxerweise jedoch nur selten Hautkrebs“, so Sator.

Langwierige und zeitaufwendige Behandlung „Gute Erfolge erzielt man mit einer so genannten Lichttherapie mit UV-Licht (Schmalband-UVB-Therapie), aber auch mit Kortisonsalben, vor allem dann, wenn nur wenige Stellen betroffen sind. Nachteilig an diesen Therapien ist jedoch eine sehr lange Behandlungsdauer. Sie verlangt vom Patienten, bis er Behandlungserfolge erkennen kann, eine grosse Ausdauer“, betont Sator. Als weitere Alternative gibt es sogenannte Immunmodulatoren in Form von Cremen, z.B. mit dem Wirkstoff Tacrolimus oder Pimecrolimus, die für die Behandlung der Neurodermitis entwickelt wurden. Die Präparate sind offiziell nicht zur Behandlung von Vitiligo registriert, zeigen jedoch teilweise gute Behandlungserfolge.

Nebenwirkungsarme, pflanzliche Mittel Neuerdings steht Vitiligopatienten auch ein Produkt von Mutter Natur zur Verfügung, nämlich ein Extrakt aus Melonen. Dieses enthält die antioxidativen Enzyme Katalase und Superoxiddismutase in Form eines Gels (Vitix®), welches in Kombination mit UV-Licht (z.B. Lichttherapie oder natürliche Sonne) angewendet wird und eine nebenwirkungsarme Alternative darstellt. Das Gleichgewicht der biochemischen Reaktionen in den farbbildenden Hautzellen wird wieder hergestellt.

Versucht wird auch die Transplantation von Pigmentzellen, die aber nur sinnvoll ist, wenn die Erkrankung zum Stillstand gekommen ist.

„Eine keinesfalls unvernünftige Lösung sollte jedem Patienten als Basis angeboten werden, nämlich die Verwendung wasserstabiler Schminken (sog. Camouflage), die der Hautfarbe angepasst werden können, aber auch die lokale Anwendung von Selbstbräunungscremen. Bei generalisierten Erkrankungsformen können die Restherde normal pigmentierter Haut auch gebleicht werden. Jeder Patient sollte auch psychisch betreut werden und Begleiterkrankungen, wie z.B. der Schilddrüse, sollten ausgeschlossen werden“, rät Sator.


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