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Veränderte Eiweisse setzen sich bei Patienten mit der Erkrankung nicht nur im Gehirn ab

Anzeichen für die psychischen Krankheit Schizophrenie sind nicht nur im Gehirn, sondern auch in anderen Geweben zu finden. Zu diesem Schluss kommen Forscher aus Grossbritannien und Deutschland, die in der Leber und den roten Blutkörperchen schizophrener Patienten veränderte Eiweisse entdeckten, wie sie auch im Gehirn von Schizophrenen vorkommen. Die neuen Erkenntnisse könnten die Diagnose der Krankheit verbessern.

In einer früheren Arbeit hatte das Team um Bahn im Gehirn von verstorbenen Schizophreniepatienten abnormale Eiweisse entdeckt. Nun fanden die Wissenschaftler ähnlich veränderte Proteine auch ausserhalb des Gehirns: 14 solcher Eiweisse entdeckten sie in der Leber und 8 in den roten Blutkörperchen. Einige scheinen laut Bahn den Energiestoffwechsel in den Zellen zum Erliegen zu bringen und die Entstehung gefährlicher Sauerstoffverbindungen zu fördern. Die Forscherin vermutet daher, dass Schizophrenie zumindest zum Teil durch diese zwei Prozesse verursacht wird. Tatsächlich hatte sie denn auch in früheren Studien Hinweise darauf gefunden, dass Gehirne von Schizophrenen Schwierigkeiten bei der Bereitstellung oder dem Verbrauch von Energie haben und anfälliger auf schädliche Sauerstoffverbindungen sind als Gehirne gesunder Menschen.

Die neuen Ergebnisse lassen laut Bahn vermuten, dass es auch in anderen Geweben zu einem Energiemangel und vermehrten Zellschädigungen durch freie Sauerstoffradikale kommen könnte. Zusätzlich zur Schizophrenie könnten diese Prozesse auch zur Entstehung anderer chronischer Krankheiten führen, erklärt die Wissenschaftlerin. Sie hofft, dass künftig mithilfe der veränderten Proteine das Fortschreiten der Krankheit im Körper verfolgt werden kann. „Wenn Veränderungen ausserhalb des Gehirns beobachtet werden können, und wenn diese Veränderungen widerspiegeln, was im Gehirn abläuft, können wir mithilfe dieser Erkenntnisse mehr über die Fehlfunktionen der Zellen lernen, welche die Schizophrenie verursachen“, sagt Bahn. Dadurch könnten sowohl neue Medikamente als auch neue Diagnosemethoden entwickelt werden.

Rund ein Prozent der Weltbevölkerung leidet an Schizophrenie. Bei dieser Krankheit kann es zu Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Denkstörungen kommen. Da das Gehirn betroffen ist, ist die Erforschung der Schizophrenie sehr schwierig. Die genauen Ursachen sind noch nicht bekannt, und es gibt noch keinen vollständig entwickelten Diagnosetest. Bereits bekannt ist, dass Schizophreniepatienten ein erhöhtes Risiko für chronische Krankheiten wie beispielsweise vom Typ 2 Diabetes haben. Laut Bahn gibt es Hinweise darauf, dass diese Gesundheitsprobleme mit der Schizophrenie verknüpft sind. Die neuen Erkenntnisse könnten diesen Zusammenhang nun zu erklären helfen.

Sabine Bahn (Cambridge-Universität) et al.: Journal of Proteome Research, DOI: 10.1021/pr060362r



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