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Aachener Herz-Thorax-Chirurgen forschen an einer sich selbst aufbauenden Mitralklappe, die minimalinvasiv eingeführt werden kann

Statt schwerer Herzklappen-Operation lediglich ein kathetergestützter Eingriff: Was bisher für Menschen mit einer Mitralklappenerkrankung völlig undenkbar klingt, könnte dank Aachener Wissenschaftler in einigen Jahren Realität werden. Herz-Thorax-Chirurgen am Universitätsklinikum Aachen entwickeln in Zusammenarbeit mit dem Institut für Textiltechnik der RWTH Aachen (ITA) eine neuartige Verbundprothese, welche eine Herzklappe enthält. Das Faszinierende daran: Die Herzklappe baut sich nach ihrem Transport durch einen Katheter am Bestimmungsort im Herzen selbst auf. Dort übernimmt sie sofort ihre Aufgabe: Das Blut vom Vorhof in die linke Herzkammer – aber nicht zurück – fliessen zu lassen. Ein Forschungsfeld, das künftig vielen Menschen das Leben retten kann, befand auch die Holste- Stiftung. Sie unterstützt das interdisziplinäre Forschungsprojekt in den nächsten anderthalb Jahren mit über 20.000 Euro.

Rund 4.000 Mitralklappen-Operationen werden jährlich im Bundesgebiet durchgeführt. Ein grosser Eingriff, der für fünf bis sieben Prozent der Patienten mit schwerwiegenden Komplikationen verbunden ist. Der Plan der Aachener Herz-Thorax-Chirurgen sieht dagegen lediglich einen minimalinvasiven Eingriff vor: „Wir planen, an der Leiste zu punktieren und von dort aus einen etwa ein Zentimeter dicken Katheter zum Herzen hinaufzulegen“, erläutert Mediziner Dr. Andreas Goetzenich. Durch diesen Schlauch wird die Prothese geführt, die unter anderem aus einem so genannten Formgedächtnismetall besteht. Nitinol baut sich in entsprechender Wärmeumgebung wieder in die vorher „gespeicherte“ Form auf. Im Herzen angekommen, soll das zwischen vier und sechs Zentimeter Durchmesser grosse Nitinolgerüst für die Stabilität der gesamten Vorhofprothese und vor allem für einen sicheren Sitz der integrierten Ersatz-Mitralklappe sorgen.

Die Vorteile der katheterbasierten Methode liegen auf der Hand: Neben dem minimierten Operationsrisiko bietet das kathetergestützte Verfahren auch in Notfällen eine schnellere Möglichkeit der Erstversorgung Bis die neuartigen Mitralklappenprothesen klinischen Einsatz finden, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Problematisch erweist sich momentan noch die Halterung, da sich die Herzumgebung durch die regelmässigen Kontraktionen stetig verändert. „Als nächsten Schritt planen wir die Tests der Prothese am Herz- Kreislaufmodell des Aachener Helmholtz-Instituts“, so Andreas Goetzenich. Mitralklappenerkrankungen sind insbesondere im Alter häufig. Hierbei wiederum ist die Undichtigkeit der häufigste Klappenfehler. In Folge entsteht ein Pendelfluss zwischen Vorhof und Herzkammer, wobei das Blut immer wieder in den Vorhof zurückfliesst. Aber auch bei jüngeren Menschen kann es zu einer Beeinträchtigung der Mitralklappenfunktion kommen, etwa im Verlauf eines akuten Herzinfarkts. Die das Entwicklungsprojekt unterstützende Stiftung wurde im Dezember 1997 von Prof. Werner Holste und seiner Ehefrau Gertraude eingerichtet. Der Ingenieur studierte, promovierte und habilitierte an der RWTH Aachen. Als ausserplanmässiger Professor hat er 35 Jahre in Vorlesungen zu den Auswirkungen der Gesetzgebung auf die Auslegung von Kraftfahrzeugen sein Wissen an Studierende weitergegeben. Aus Verbundenheit zur RWTH Aachen gründete er die Holste-Stiftung, die Forschungsprojekte auf den Gebieten des Maschinenbauwesens, der Medizin und der Elektrotechnik finanziert. von Ilse Trautwein


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