Gesundheit, Wellness, Medizin

Auch das sogenannte „gute“ Cholesterin kann schädlich sein. Das vermuten amerikanische Forscher, die die genaue Zusammensetzung dieses HDL-Cholesterins untersucht haben. Dabei entdeckten sie Bestandteile, die den ansonsten positiven Wirkungen des HDLs entgegenwirken. Besonders Herzinfarktpatienten besassen ungewöhnlich viele dieser schädlichen Eiweisse. Das könnte erklären, warum hohe HDL-Spiegel im Blut nicht alle Menschen vor Herzerkrankungen schützen, berichtete Studienleiter Jay Heinecke auf einer Tagung in Boston.

Im Blut transportieren Fett-Eiweiss-Aggregate, die sogenannten Lipoproteine, das wasserunlösliche Cholesterin. Da das Lipoprotein HDL überschüssiges Cholesterin zur Leber bringt und es somit aus dem Blut entfernt, gilt es auch als „gutes“ Cholesterin. Die Forscher konnten nun erstmals nachweisen, aus welchen Eiweissen dieses Lipoprotein besteht. Insgesamt entdeckten sie 48 Proteine, 13 davon erstmals in HDL. Ein Teil der Eiweisse könnte eine bislang unbekannte Rolle bei der Vorbeugung von koronaren Herzkrankheiten spielen. Andere Bestandteile haben hingegen möglicherweise schädliche Effekte, berichten die Forscher.

Bei Menschen, deren Herzkranzgefässe bereits krankhaft verändert waren, enthielt das HDL-Cholesterin besonders viele solcher schädlichen Eiweisse. Am Beispiel dieser Patienten konnten die Forscher zeigen, dass sogenannte freie Radikale die Proteine im HDL angegriffen hatten. Solche Veränderungen in der Eiweisszusammensetzung des HDLs könnten die Entstehung von Herzerkrankungen beeinflussen, vermuten die Forscher.

Bislang hatten Wissenschaftler gehofft, Medikamente, die die HDL-Spiegel im Blut erhöhen, könnten den Menschen vor Herzinfarkten schützen. Eine Studie mit einem entsprechenden Wirkstoff musste der Hersteller jedoch abbrechen, da das Medikament das Risiko für Herzprobleme erhöht hatte. „Es scheint nicht auszureichen, einfach nur die HDL-Spiegel zu erhöhen“, vermutet Heinecke. Eine Behandlung müsse auch auf die richtigen HDL-Bestandteile abzielen.

Jay Heinecke (Universität von Washington in Seattle) et al.: Beitrag auf dem Jahrestreffen der American Chemical Society, Boston



Ähnliche Beiträge

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.