Gesundheit, Wellness, Medizin

Dass körperliche Aktivität das Herz-Kreislauf-System jung hält, belegen viele Untersuchungen. Weniger klar war lange Zeit, ob sie auch dem Gehirn zugute kommt. Einen direkten Einfluss hielt man für wenig wahrscheinlich, weil die Hirndurchblutung weitgehend unabhängig vom übrigen Organismus gesteuert wird. Durch Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren wie der Positronen-EmissionsTomographie und der Kernspintomographie konnte diese Annahme aber widerlegt werden. Darüber berichtet Wildor Hollmann, Emeritus des Lehrstuhls für Kardiologie und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule, in der Zeitschrift „Nervenheilkunde“ (Bd. 9, S. 467). Seine Arbeitsgruppe hat vor einiger Zeit erstmals den Beweis erbracht, dass körperliche Aktivität zu einer teilweise dramatischen Steigerung der Hirndurchtlutung führt.

Wie spätere Untersuchungen ergeben haben, kommt es zugleich zu einer Anreicherung mehrerer die Hirnfunktion beeinflussender Botenstoffe. Hierzu zählen die Wachstumsfaktoren BDNF (brain-derived neurotrophic factor), NGF (nerve growth factor) und FGF-2 (fibroblast growth factor). Diese und andere Signalmoleküle stimulieren das Wachstum neuer Nervenzellen, fördern die Bildung von Synapsen und damit die Vernetzung der Neurone untereinander und verbessern ausserdem die Widerstandsfähigkeit des Hirngewebes gegenüber schädlichen Einwirkungen. So gibt es viele Hinweise darauf, dass körperliches Training die schwerwiegenden Folgen eines Schlaganfalls zu begrenzen vermag.

Die schützende Wirkung scheint unter anderem auf einer grösseren Verfügbarkeit von Stickoxvd, eines die lokale Durchblutung regulierenden Stoffes, zu beruhen. Das legen jedenfalls die jüngsten Erkenntnisse von Forschern um Matthias Endres von der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Charite in Berlin nahe („Annals of Neurology“, Bd. 54, S. 582). Verschiedenen Beobachtungen zufolge erhöht physisches Training ausserdem die Lernfähigkeit. Die gesteigerte Produktion des Wachstumsfaktors BDINF dürfte hierbei eine wesentliche Rolle spielen. Wird die Aktivität dieser Substanz unterdrückt, nimmt auch das Lernvermögen deutlich ab. Das haben amerikanische Forscher kürzlich in Tierversuchen gezeigt („Neuroscience Letters“, Bd. 353, S. 95).

Sportliche Tätigkeit beugt nicht zuletzt dem altersbedingten Schwinden der kognitiven Fähigkeiten vor. Auch die Gefahr, an einer Demenz zu erkranken, nimmt wahrscheinlich ab. Dafür sprechen unter anderem die Ergebnisse einer schon länger zurückliegenden Untersuchung in Kanada, an der sich mehr als 4500 ältere Männer und Frauen beteiligt haben. Körperlich aktive Teilnehmer wurden viel seltener von einer Demenz heimgesucht als Bewegungsmuffel. Je mehr sich die Probanden bewegten, desto geringer war das Risiko eines kognitiven Verfalls.

Auf welche Weise Sport vor Demenz schntzt, läBt sich bislang nicht genau sagen. Zum Teil dürfte der günstige Effekt auf einer stärkeren Regeneration von Nervengewebe beruhen. Hollmann weist darauf hin, dass im Gehirn bis ins hohe Alter eine Erneuerung stattfindet. Untersuchungen an 80 Jahre alten Probanden hätten ergeben, dass bis zu 20 Prozent der Nervenzellen des Hippocampus – einer für das Lernen und Erinnern bedeutsamen Hirnstruktur – in den vier Jahren zuvor entstanden waren. Regelmässige Bewegung fördert offenbar diese Auffrischung von Hirngewebe.

Auch auf die seelische Verfassung wirkt sich körperliche Aktivität günstig aus. Das macht man sich seit längerem bei der Behandlung depressiver Patienten zunutze. An dem stimmungsaufhellenden Effekt sind viele Sigralmoleküle beteiligt, darunter vor allem die Endorphine – körpereigene, mit Morphium verwandte Botenstoffe – und das Serotonin. Aber auch BDNF scheint von Bedeutung zu sein. Wie Hollmann ausführte, erhöht die Anwendung von Antidepressiva die Verfügbarkeit dieses Wachstumsfaktors im Gehirn. Das gleiche gelte für körperliches Training. Die stärkste Anreicherung von BDNF lasse sich erzielen, wenn man die beiden therapeutischen Massnahmen kombiniere. Ein solches Vorgehen habe zudem den Vorteil, dass die Wirkung der Antidepressiva deutlich früher einsetze.

Wieviel Sport sollte man nun treiben, um eine vorzeitige Alterung des Gehirns abzuwenden? „Je mehr, desto besser“ gilt offenbar nur bedingt, zumal Uberanstrengung das Gegenteil bewirken kann. Hollmann zufolge ist es wahrscheinlich ausreichend, wenn man sich drei- bis viermal wöchentlich mindestens zwanzig Minuten lang intensiv bewegt, etwa zügig geht, joggt, Tennis spielt, Rad fährt oder schwimmt.

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