Gesundheit, Wellness, Medizin

Johanniskraut gehört zu den Heilpflanzen mit medizinisch anerkannter Wirkung. In den vergangenen Jahren hat dieses uralte Heilmittel grosse Bedeutung als Antidepressivum erlangt. Rund ein Viertel aller in Deutschland gegen Depressionen verschriebenen Medikamente beruhen auf Extrakten des Johanniskrauts. Die Nebenwirkungen wurden als gering eingestuft. In jüngerer Zeit mehren sich allerdings Hinweise darauf, dass die Wirkung anderer Medikamente, etwa des Herzmittels Digoxin, beeinflusst werden kann. Auf besonders gefährliche Wechselwirkungen sind nun Wissenschaftler aus den Vereinigten Staaten und aus der Schweiz gestossen („Lancet“, Bd. 355, S. 547 u. 548). Ihren Beobachtungen zufolge kann Johanniskraut für Aidskranke und Patienten mit fremden Organen sogar lebensbedrohlich werden.

Forscher um Stephen Piscitelli von den National Institutes of Health in Bethesda/ Maryland gingen der Frage nach, ob Johanniskraut die Wirkung des Aidsmittels Indinavir beeinflusst. Dieses Medikament hemmt ein Enzym des Aidserregers HIV-1. Für den Test hatten sich acht erwachsene, gesunde Versuchspersonen zur Verfügung gestellt. Die Forscher wollten die Studie nicht an Aidspatienten vornehmen, um diese nicht zu gefährden. Es zeigte sich, dass die Konzentration des Aidsmittels im Blut unter dem Einfluss von Johanniskraut deutlich zurückging. Nach acht Stunden war sie um 49 bis 99 Prozent vermindert. Dadurch besteht die Gefahr dass sich das Virus stark vermehrt.

Während die amerikanischen Wissenschaftler „nur“ auf eine mögliche Gefährdung durch Johanniskraut aufmerksam geworden sind, waren Ärzte des Universitätsspitals Zürich mit zwei Patienten konfrontiert, denen das pflanzliche Präparat tatsächlich fast zum Verhäng-nis geworden wäre. Beide Patienten lebten seit mehreren Monaten mit einem Spenderher-zen. Sie nahmen seit der Transplantation regelmässig Medikamente ein, die einer Abstossung des Organs entgegenwirken. Bei einer Routineuntersuchung fand man gleichwohl Hinweise auf eine beginnende Abstossungsreaktion. Wie sich weiter herausstellte, war die Konzentra-tion des die Immunabwehr unterdrückenden Mittels Ciclosporin im Blut viel niedriger als bei den vorherigen Untersuchungen. Sie betrug, obwohl die Patienten das Präparat nach wie vor einnahmen, nur noch ungefähr die Hälfte. In dieser Konzentration ist Ciclosporin praktisch unwirksam.

Wie der Kardiologe Frank Ruschitzka zusammen mit den anderen Zürcher Ärzten berichtet, hatten die Patienten drei Wochen zuvor wegen depressiver Verstimmungen begonnen, zusätzlich zu ihren Medikamenten ein Johanniskraut – Präparat (Jarsin) einzunehmen. Nach dem Absetzen dieses Präparates normalisierte sich die Konzentration des lebenswichtigen Ciclosporins wieder. Beide Patienten konnten schliesslich gerettet werden. Für die Zürcher Ärzte sind diese Vorfälle ein weiterer Beleg dafür, dass auch vermeintlich harmlose Heilpflanzen plötzlich gefährliche Effekte zeigen können.

Worauf die Wechselwirkung mit Medikamenten wie Indinavir und Ciclosporin beruht, weiss man nicht genau. Sogar der Mechanismus der antidepressiven Wirkung ist noch nicht vollständig erforscht. Schliesslich enthält der Extrakt der Heilpflanze mindestens zehn pharmakologisch wirksame Bestandteile. Die Forscher vermuten, dass so genannte Naphtediantrone ein Enzym – System beeinflussen – den Komplex Cytochrom P-450. Durch die Aktivierung eines der Enzyme werden Ciclosporin und Indinavir schneller abgebaut. Möglicherweise wirkt das Johanniskraut auch auf bestimmte Proteine im Darm, wodurch geringere Mengen der Medikamente in das Blut übertreten. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte will sicherstellen, dass die neuen Erkenntnisse auf den Beipackzetteln von Johanniskraut – Präparaten berücksichtigt werden.

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