Myxobakterien als Lieferanten für Omega-3-Fettsäuren entdeckt

Omega-3-Fettsäuren sind lebensnotwendig und können dennoch vom Körper nicht selbst hergestellt werden: Omega-3-Fettsäuren, die wichtige Stoffwechselfunktionen im Gang halten, kommen vor allem in Meeresfischen und Algen vor. Um Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamente herzustellen, müssen sie mittels aufwändiger Verfahren gewonnen werden. Die Arbeitsgruppe von Rolf Müller, Professor für Pharmazeutische Biotechnologie, hat nun Mikroorganismen im Boden entdeckt, die Omega-3-Fettsäuren produzieren, und eine Methode für deren Kultivierung entwickelt.

Omega-3-Fettsäuren, die zu den polyungesättigten Fettsäuren (PUFAs) gehören, sind lebensnotwendige Bestandteile der menschlichen Ernährung: Sie regulieren nicht nur wichtige Körperfunktionen wie Blutdruck, Herzfrequenz oder das Immunsystem, sondern sind als Bestandteil von Nervenzellen besonders im Gehirn und in der Netzhaut angereichert. Sie schützen das Gefäßsystem vor Atherosklerose, hemmen Entzündungsreaktionen und zeigen positive Wirkung bei koronaren Herzkrankheiten oder Typ-II-Diabetes.

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Die beiden wichtigsten Omega-3-Fettsäuren sind Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Beide werden hauptsächlich aus Fischölen und Meeresalgen gewonnen. Allerdings entstehen bei der Extraktion der Fettsäuren aus Fischölen sehr unangenehme Gerüche, zudem liegt der Gehalt der gewünschten Fettsäuren in den Ölen meist unter 30 Prozent. Darüber hinaus wird die Herstellung immer schwieriger, da die weltweiten Fischbestände rapide abnehmen. Die fermentative Gewinnung aus Algen reduziert zwar die Geruchsbelästigung, die Ausbeute ist allerdings sehr gering.

Eine völlig neue Quelle für Omega-3-Fettsäuren haben Prof. Rolf Müller und seine Arbeitsgruppe an der Universität des Saarlandes entdeckt: Bei der Untersuchung von Bodenproben gelang ihnen die Isolation neuer Arten von Myxobakterien. Dies sind bewegliche Bodenbakterien, die Schwärme aus tausenden Zellen bilden und eine ganze Reihe nützlicher chemischer Stoffe bilden. Die Saarbrücker Wissenschaftler konnten nachweisen, dass die neu entdeckten Bakterienstämme die wichtigsten Omega-3-Fettsäuren in signifikanten Mengen produzieren.

Um Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) gezielt und in größeren Mengen im Labor herzustellen, haben die Biotechnologen darüber hinaus eine Methode zur Kultivierung der Mikroorganismen entwickelt. Das hat – neben der einfacheren Gewinnung und der Schonung der Fischbestände – weitere Vorteile: Die Forscher können in die Produktion eingreifen und haben die Möglichkeit, über die genetische Manipulation der Produzenten die Produktionsrate zu steigern oder die Produkte zu verändern.

Doch reichen die so produzierten Mengen für eine industrielle Herstellung von Omega-3-Fettsäuren? „Es gibt gute Hinweise darauf, dass es möglich ist, die Bakterien in großen Mengen zu kultivieren“, sagt Rolf Müller. Inzwischen hat die PatentVerwertungsAgentur der saarländischen Hochschulen (PVA) die Vermarktung der Methode übernommen. Innerhalb kürzester Zeit gelang es ihr, mit einer Firma in Dortmund einen Verwertungsvertrag für die Universität des Saarlandes auszuhandeln. Ziel ist es, innerhalb von drei Jahren ein erstes Produkt auf Basis der von Myxobakterien produzierten Omega-3-Fettsäuren zu erhalten.

Die PatentVerwertungsAgentur der saarländischen Hochschulen (PVA) ist eines von drei Geschäftsfeldern der aus der Kontaktstelle für Wissens- und Technologietransfer (KWT) der Universität des Saarlandes ausgegründeten Wissens- und Technologietransfer GmbH (WuT GmbH). Die PVA übernimmt die Bewertung und Vermarktung der von den saarländischen Hochschulwissenschaftlern gemachten Erfindungen.

Informationen:
www.uni-saarland.de

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