Gesundheit, Wellness, Medizin

Plantschen unter Pinien

Dudelsackspieler statt Stierkämpfern und raues Atlantikklima statt Dauersonne: In Galicien zeigt sich Spanien von seiner unbekannten Seite. Dank zahlreicher Thermalquellen etabliert sich die Region im Nordwesten der Iberischen Halbinsel als Wellness-Zentrum.

Sanxenxo – Zwar ist Galicien vor allem wegen der Pilgerstadt Santiago de Compostela bekannt, doch mittlerweile versucht sich die Region im Nordwesten Spaniens verstärkt als Erholungsziel zu etablieren: Angeboten wird Wellness für jedermann. „Es gibt Thermalbäder sowohl mit zwei als auch mit fünf Sternen“, sagt Tommi Alvarellos Laine. Der Fremdenführer ist zwar Halbfinne, geht aber ganz in der galicischen Lebensart auf, die mit spanischem Temperament wenig zu tun hat. Die Galicier sind eher zurückhaltend und gelten als melancholisch, was mit der keltischen Vergangenheit der Region zusammenhängen könnte. Hier trifft der Urlauber eher auf Dudelsackspieler als auf Stierkämpfer oder Flamenco-Tänzer.

GALICIEN: DER RAUHE CHARME DER ATLANTIKKÜSTE

In Galicien gibt es insgesamt 19 Thermalbäder, die sich auf die vier Provinzen um die Städte Pontevedra, Ourense, Lugo und La Coruña verteilen. Entdeckt wurden die heissen Quellen bereits von den Römern, die seit dem zweiten Jahrhundert vor Christus die Region besiedelten. „Zurzeit erlebt Galicien ausserdem einen Aufschwung bei Therapien wie Thalasso“, sagt Arturo Rodríguez González vom Fremdenverkehrsamt Turgalicia. Bisher wird die Thalasso-Therapie ausschliesslich an der Atlantikküste in der Provinz Pontevedra angeboten, in den Orten Sanxenxo und Oia sowie auf der Insel La Toja.

Wellness und Badeurlaub lassen sich in Sanxenxo gut verbinden, das Städtchen gilt unter Einheimischen als das „Marbella Galiciens“. Die schönen Strände und das rege Nachtleben locken im Sommer viele Spanier in den Ferienort. Die Küste von Oia eignet sich dagegen weniger zum Schwimmen. Jedoch ist es im „Talasoatlantico“ gelungen, die raue Natur in die Wellness einzubinden. Der Thalasso-Bereich der Einrichtung ist komplett verglast, so dass der Erholungssuchende vom Liegestuhl aus und eingekuschelt in einen flauschigen Bademantel den direkten Blick auf die Atlantikküste geniessen kann.

Wellness in historischen Bauten

Zu Galiciens Kurbädern der ersten Stunde gehört das „Balneario de Mondariz“ in der Provinz Pontevedra. Entstanden im Jahr 1873, erlangte die Heilquelle rasch grosse Bekanntheit in Spanien. Der moderne Wellness-Betrieb ist hier in historischen Bauten untergebracht.

Die Anwendungen unterscheiden sich zwischen den Thermalbetrieben nur wenig. Fangomatten, Algen- und Schlammpackungen sowie Massagen und Sprudelbäder gehören zum Standardprogramm. Das Besondere ist jedoch die Einbindung der Erholung in die umgebende Naturlandschaft. Galicien ist für spanische Verhältnisse sehr grün, was mit dem milden Atlantikklima und dem Wasserreichtum der Region zusammenhängt. Zudem ist das Wetter häufig regnerisch und unbeständig, so dass Regentropfen von Galiciern liebevoll als „Himmelsperlen“ bezeichnet werden, erzählt Alvarellos Laine. Die einheimische Flora wird vielerorts beherrscht von Pinien und Eukalyptusbäumen, die einst von einem Geistlichen aus Australien mitgebracht wurden. Den Wegesrand und viele Innenstädte verschönern grosse Azaleensträucher.

Galiciens Gastronomie tischt vor allem Meeresfrüchte und mehr als 80 Fischarten auf, die hier im Meer vorkommen. Neben Schalentieren wie der Jakobs- und der Miesmuschel sind besonders die „pulpos“ genannten Seekraken unter den Einheimischen sehr beliebt. Galiciens Weisswein ist in Deutschland zwar weniger bekannt, hat aber in Spanien einen guten Ruf. 300 gastronomische Feste im Jahr zeigen, welch hohen Stellenwert die Ess- und Trinkkultur in Galicien besitzt.

Ragah Kamel, gms

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