Gesundheit, Wellness, Medizin

von Jitka Skupy-Pesek, 06.04.06

In Marienbad:
Flanieren in historischen Hallen: In Marienbad geniessen auch deutsche Urlauber die Kureinrichtungen. Karlsbad präsentiert sich nach umfänglicher Sanierung in neuem Glanz. (Foto: dpa)

Karlsbad/MZ.:
Hier, im „böhmischen Zauberkreis“, wie Geheimrat von Goethe zu sagen pflegte, fühlte er sich wohl. Und hier liegen sie auch, die wohl berühmtesten Bäder der Welt – Marienbad, Karlsbad und Franzensbad. Jahrhunderte lang galten sie als Perlen aller Kurorte, bis es dann jahrzehntelang still um sie wurde. Doch seit einigen Jahren besinnt man sich der einst glanzvollen Vergangenheit, in der sie ein kulturelles und politisches Zentrum mit illustrer Gästeschar waren. Allerorten wurde in den letzten Jahren saniert. Die prunkvollen Bauten erstrahlen nun in neuem Glanz.

Es sind wohl die malerische Landschaft, die geheimnisvollen Wälder, die gesunde Luft und die heilenden Quellen, die den Gast magisch in die böhmischen Bäder ziehen, die viele Poeten gepriesen haben. Der bekannteste, Johann Wolfgang von Goethe, kam 1785 das erste Mal nach Karlsbad, danach war der Kurort noch zwölfmal seine Sommerresidenz. 1812 schrieb er an Freunde: „Es gibt nur drei Orte, wo ich leben möchte – Weimar, Rom und Karlsbad“. Doch seine letzten drei Sommer, die er in diesem „böhmischen Zauberkreis“ verbrachte, galten Marienbad. Die Zuneigung zu der um 55 Jahre jüngeren Ulrike von Levetzow, in die er sich verliebte, brachte ihm grosse Enttäuschung . Und der Nachwelt die „Marienbader Elegie“.

Zwar ist Marienbad nicht das älteste und grösste der berühmten drei Bäder in Westböhmen, für viele aber das schönste. Die warme Abendsonne leuchtet die 120 Meter lange Kolonnade aus filigranem Gusseisen aus und verleiht ihr durch die Licht-Schattenspiele noch mehr heitere Leichtigkeit. Überall grüssen prächtige Bauten, prunkvolle Fassaden – alles in kaiserlichem Gelb. Bereits 1818 galt Marienbad offiziell als „Kurort der österreichischen Monarchie“. Die einzigartige „singende Fontäne“ spielt alle zwei Stunden Werke bekannter Musiker, wie Smetana, Mozart oder Chopin. Das Zuhören ist bereits Erholung pur.

Dem Kurgast bietet der Ort Heilwasser aus 40 Quellen, in der Umgebung entspringen noch an die hundert dazu. Bäume, Büsche und Blumenbeete – der geniale Gartenarchitekt Václav Skalník gestaltete hier die herrlichen Parkanlagen, die mit 70 Kilometern als Promenaden heute noch Balsam für die stadtgestresste Seele sind.

Den klangvollsten Namen der böhmischen Bäder hat Karlsbad. Der mit 55 00 Einwohnern grösste Badeort der Region bietet ausgedehnte Wald-Wanderwege über die Hügel rund um die Stadt mit herrlichen Ausblicken. Das legendäre Grandhotel Pupp, einst das luxuriöseste Hotel der Welt und über 200 Jahre Treffpunkt der europäischen Elite, ist heute wieder die erste Adresse im Lande. Bei den Kolonnaden herrscht schon morgens Hochbetrieb. Dreimal täglich sollen die Kurenden das Heilwasser trinken. Man kann es aus zwölf Quellen wählen. Aus der Schnabeltasse saugend kommt man auf die Promenade an der Teplá, wo auch Goethe wandelte und die heute wieder eine bekannte Einkaufsstrasse ist.

Franzensbad ist der dritte Kurort im Bäderdreieck. 24 Heilquellen, darunter die bekannte Glauberquelle, empfehlen sich den Gästen. Die kleine Gartenstadt mit der einheitlichen klassizistischen Architektur liegt inmitten eines Waldparks, ganz nah an einem Naturschutzgebiet mit Moorgründen, Schlammvulkanen und seltener Flora und Fauna. Kein Wunder, dass Goethe sie 33 Mal besuchte und noch Jahre später liess er sich den „Egerer Säuerling“ nach Weimar schicken.

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung, www.mz-web.de

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