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Wer sich im Schlaf übermäßig bewegt, sollte sich untersuchen lassen • Traumstörungen: treten häufig bei Männern auf.

Wer im Schlaf schreit, um sich schlägt und tritt, leidet unter einer Traum-Schlaf-Verhaltensstörung, die ein Frühzeichen für eine neurodegenerative Erkrankung wie Parkinson sein kann. „Wer sich im Traum bewegt und spricht, hat eine 60- bis 70-prozentige Chance, nach zehn bis 30 Jahren an Morbus Parkinson oder an Multisystematrophie zu erkranken“, sagt Wolfgang Oertel, Direktor der Klinik für Neurologie an der Philipps Universität Marburg http://uni-marburg.de , im pressetext-Gespräch.

Keine heilende Therapie

Diese Traum-Schlafverhaltensstörung heißt „Rapid Eye Movement Sleep Behavior Disorder“ (RBD). Ein Zusammenhang zwischen RBD und einer späteren Parkinson-Erkrankung wurde bereits 1996 erkannt. Inzwischen haben sich Schlafforscher und Neurologen verbündet, um das Phänomen intensiver zu untersuchen. „Wer eine Traum-Schlafstörung bei sich feststellt, sollte sich an ein Schlafzentrum oder eine neurologische Klinik wenden“, rät Oertel. Denn sobald die Erkrankungslage erkannt ist, kann eine Behandlung den Krankheitsverlauf verzögern.

„Mit der zunehmenden Zahl an älteren Menschen und damit der mehr Patienten ist diese Forschung nicht nur von therapeutischer, sondern auch von herausragender gesundheitspolitischer und gesundheitsökonomischer Bedeutung“, sagt Oertel, der auch erster Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ist. In Marburg hat sich eine RBD-Studiengruppe zusammen gefunden. Die Forscher suchen Patienten, die RBD haben. Das Problem: Noch gibt es keine zufriedenstellenden Therapien. Die Betroffenen werden somit wahrscheinlich erkranken.

RBD bleibt Männerkrankheit

Die Schlafverhaltensstörung beginnt meist jenseits des 50. Lebensjahres. Männer (87,5 Prozent) sind wesentlich häufiger betroffen als Frauen. Die Träume treten vor allem in der zweiten Nachthälfte auf. Bei der RBD ist die Muskelerschlaffung im Schlaf aufgehoben. Die Trauminhalte sind meist aggressiv geladen und voller Gewalt. Die Patienten führen zielgerichtete, typischerweise schlagende und tretende Bewegungen aus. Dabei kommt es häufig vor, dass die Patienten sich oder ihre Partner verletzen. Oft müssen sie sich im Traum verteidigen.

„Wird die Diagnose RBD gestellt, sollten eventuelle Anzeichen von neurodegenerativen Erkrankungen unbedingt abgeklärt werden“, empfiehlt Oertel. Morbus Parkinson ist nach Morbus Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. In Deutschland sind rund 250.000 Menschen betroffen. Multisystematrophie (MSA) bezeichnet eine rasch fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, bei der mehrere Systeme im Gehirn betroffen sind. Es ist eine Kombination von Symptomen und Krankheitszeichen wie sie bei Morbus Parkinson und bei Störungen des vegetativen Nervensystems und des Kleinhirns auftreten.



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