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„Warum jemand länger lebt, hat offensichtlich nicht nur mit den Genen zu tun. Vielmehr gibt es auch Hinweise darauf, dass im embryonalen Stadium oder in der frühen Jugend Ereignisse dafür mitverantwortlich sind“, so die Immunologin Beatrix Grubeck-Loebenstein vom Institut für Biomedizinische Altersforschung (IBA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften http://www.iba.oeaw.ac.at, im pressetext-Interview. Das IBA gehört zu den insgesamt 18 Forschungseinrichtungen, die bei dem LifeSpan-Projekt (pressetext berichtete http://www.pte.at/pte.mc?pte=080226002 ) mitarbeiten. „Gerade heute, in einer Zeit kontinuierlich steigender Lebenserwartung, in der das traditionelle Bild des Alterns als unvermeidlicher, nicht zu beeinflussender Bestandteil des biologischen Kreislaufs zunehmend ins Wanken gerät, ist ein umfassendes Verständnis der biologischen Gesetzmässigkeiten aller beteiligten Prozesse von höchster Bedeutung“, erklärt die Forscherin. Dazu gehöre auch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Institute.

Grubeck-Loebenstein und ihr Team beschäftigen sich im Rahmen von LifeSpan mit dem Altern des Immunsystems, im Speziellen mit Veränderungen des T-Zell-Repertoires im Alter und deren Auswirkungen auf die Entstehung altersbedingter Erkrankungen sowie mangelnden Impferfolg. Das Forscherteam arbeitet dabei mit verschiedenen Tiermodellen aber auch mit Zwillingsstudien. Von speziellem Interesse sind etwa Untersuchungen an Menschen, die in der Jugend oder im Mutterleib extremer Unterernährung oder Hunger ausgesetzt waren. „Dabei soll der Frage nachgegangen werden, welche Genabschnitte besonders anfällig für epigenetische Veränderungen sind und welchen Einfluss prä- und postnatale Bedingungen wie zum Beispiel Mangelernährung, Geburtsgewicht, Wachstum und Body-Mass-Index auf die Häufigkeit des Auftretens bestimmter Erkrankungen und auf die Langlebigkeit haben“, so die Forscherin.

Ein Beispiel des besonderen Interesses sind Menschen, die den so genannten „Dutch Hunger Winter 1944“ miterlebt haben. Dieses Ereignis, bei dem ein Teil der niederländischen Bevölkerung aufgrund des 2. Weltkriegs nur wenig Nahrung erhalten konnte, hatte mehr als 20.000 Menschenleben gekostet. Für die Wissenschaftler lieferte die Hungersnot Daten für die so genannte „Dutch Famine Birth Cohort“- Studie, die sich mit den Spätfolgen der Katastrophe auseinandersetzt. „Wir gehen hier insbesondere der Frage auf den Grund, wie die Entwicklung des Immunsystems durch Mangelernährung im Mutterleib beeinflusst wird.“ Die Forscher analysieren dafür die Diversität des T-Lymphozyten-Repertoires. „Hohe Diversität erlaubt das Erkennen und Bekämpfen vieler verschiedener Krankheitserreger, niedere Diversität bedeutet das Gegenteil“, erklärt die Medizinerin. „Untersucht wird die Fähigkeit von Abwehrzellen, bestimmte Pathogene wie etwa Viren oder Bakterien zu bekämpfen.“

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„Um menschliches Altern wirklich zu verstehen, muss die gesamte Lebensspanne vom Embryo bis ins hohe Alter in eine ganzheitliche Forschung miteinbezogen werden“, zeigt sich Grubeck-Loebenstein überzeugt. Im Netzwerk „LifeSpan“ erhalten solche bisher auf nationaler Ebene durchgeführten Studien eine europäische Dimension. Langfristig wollen die Forscher damit eine wissenschaftliche Basis für die Entwicklung von Interventionsmassnahmen schaffen, die bereits früh in der Kindheit ansetzen und sich dann im Alter positiv auf die Lebensqualität auswirken. „Die aus dem Projekt gewonnenen Erkenntnisse werden in ein europäisches Trainingsnetzwerk für Experten in der Gesundheitspflege einfliessen und auch für die Öffentlichkeit aufbereitet“, erklärt die Forscherin abschliessend gegenüber pressetext.

So vielschichtig und komplex der Alternsprozess auch ist, ist das Altern an sich doch ein biologischer Vorgang, der fast alle Lebewesen gleichermassen betrifft. Das EU-Projekt LifeSpan („Integrating research into Development and Ageing“) http://www.lifespannetwork.nl will dem Altern und den dahinter liegenden Prozessen auf die Spur kommen. Was die Forscher dabei besonders interessiert, sind frühkindliche Ereignisse und ihre Bedeutung für das Leben eines Erwachsenen. Zielsetzung des Netzwerks „LifeSpan“ ist es, eine Brücke zwischen den derzeit kaum fächerübergreifend arbeitenden Disziplinen Entwicklungsbiologie und biomedizinischer Alternsforschung zu schlagen.


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